Sprachanatomie – Rezension zu „Geflügelte Worte“ – Georg Büchmann

Mai 20th, 2017

Sprachanatomie - Rezension zu "Geflügelte Worte" – Georg Büchmann„Ein geflügeltes Wort ist ein in weiteren Kreisen des Vaterlandes dauernd angeführter Ausspruch, Ausdruck oder Name, gleichviel welcher Sprache, dessen historischer Urheber oder dessen literarischer Ursprung nachweisbar ist.“ (S.XI)

Zum Inhalt:

Im Groben zerfällt der Inhalt des Bandes in 5 in sich wiederum übersichtlich strukturierte Teilbereich. Beginnend mit einer „Einleitung“, zum Kern – den „Geflügelten Worten“–  nach verschiedensten Sparten sortiert, über einen Anhang, ein Namensverzeichnis, sowie ein nach Sprachen sortiertes Zitaten-Verzeichnis. Auf den letzten Seiten sind einige zeitgenössische Werbeschaltungen für Bücher abgedruckt, welche thematisch den Büchmann ergänzen könnten.
Bereits in der Einleitung wird klar dargelegt, was der Leser erwarten kann und welche Erfordernisse ein „geflügeltes Wort“ erfüllen muss, um in diesen Band aufgenommen zu werden:

„1. daß sein literarischer Ursprung oder sein historischer Urheber nachweisbar ist;
2. daß es nicht nur allgemein bekannt ist, sondern auch in den Gebrauch der deutschen Sprache überging und allgemein gebraucht oder angewendet wird;
3. daß Gebrauch und Anwendung nicht nur zeitweilige, sondern dauernde sind, wobei natürlich „Dauer” nicht „Ewigkeit” heißen soll.“ (S.XIII)

Der Text eignet sich ausgezeichnet als Referenz, als Einstieg auf der Suche nach Sinn- und Herkunft dieser sprachlichen Kondensate, die oft verwendet, jedoch – leider – sehr selten hinterfragt werden. Ein Stöbern in den Seiten verleitet nicht zu selten dazu, von einem Knotenpunkt zum anderen zu Springen und sich die Zeit vergessend in Bonmonts zu verlieren.

Fazit:

„Der Büchmann“ steht als Synonym für ein umfangreiches, gut recherchiertes Nachschlagewerk, wenn es um Redewendungen der deutschen Sprache und im historischen und zeitgenössischen deutschen Sprachgebrauch geht. Welcher der vielen verschiedenen Auflagen sich der Leser dabei zuwendet, mag durch Präferenz in Lesegewohnheit, typografischen Geschmack, der bibliophilen Ader oder schlicht dem Zugang zu einer gerade greifbaren Ausgabe bedingt sein. Jedem der sich etwas mit Sprachgeschichte beschäftigen möchte, der seinen aktiven wie passiven Sprach-/Wortschatz erweitern möchte oder der einfach Freude am ergründen der vielgestaltigen Landschaft der deutschen Sprache hat, dem sei dieses Werk ans Herz gelegt.

Zum Buch:

Die Buchdecken der hier beschriebenen  Auflage des Büchmann sind sehr minimalistisch gehalten, wenn auch handwerklich gut verarbeitet. Weder den Buchrücken noch den Frontdeckel ziert irgend eine Art von Schrift oder Verzierung. Der Text ist durchgehend in Fraktur gesetzt und sehr gut lesbar, was nicht zuletzt durch die typografischen Stilmittel gewährleistet wird, die zur Strukturierung des über weite Strecken lexikalisch gehaltenen Textes verwendet wurden. Der Bedruckstoff ist mäßig faserig und neigt etwas zum Vergilben, was jedoch der angenehmen Haptik des nun doch über 100 Jahre alten Bandes keinen Abbruch tut. Einen – wenn man so will – bitteren Beigeschmack aus bibliophiler Hinsicht hinterlässt die harsche Fixierung der Bünde mittels Metallklammern, die auf dem Seitenbedruckstoff unansehnliche Flecken durch Oxydation resp. Korrosion. hinterlassen.

Buchdaten:

  • Titel: „Geflügelte Worte – Der Zitatenschatz des deutschen Volkes“
  • Autor: Georg Büchmann
  • Umfang: 496 Seiten
  • Verlag: Haude und Spenersche Buchhandlung Max Paschke (Berlin, 1914)
  • Sprache: Deutsch
  • Größe: 19,4 x 12,4 x 3,5 cm

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Des Lebens Possierlichkeiten – Rezension zu „Bilderpossen“ – Wilhelm Busch

Mai 13th, 2017

Des Lebens Possierlichkeiten - Rezension zu "Bilderpossen" – Wilhelm Busch„Ja, ja in diesem Topf von Stein
Da machte man den Peter ein,
Der, nachdem er anfangs hart,
Später weich wie Butter ward.“ (S.35)

Zum Inhalt:

Die Geschichten des Buches kann man mit dem Einleitungssatz des von Arthur Rümann (Kunsthistoriker und Kinderbuchforscher, *1888 – †1963) verfassten Nachwortes zeitlich wie folgt festmachen: „Die vier Bilderpossen des vorliegenden Bändchens sind die ersten Geschichten, die Wilhelm Busch in Buchform erschienen ließ, und unmittelbare Vorläufer seines ‚Max und Moritz’.“ (S.66)
„Katze und Maus“, „Der Eispeter“, „Krischan mit der Piepe“, sowie „Hänsel und Gretel“ finden sich in der frühen Linienführung Buschs in siebzig schwarz-weißen Bildern wiedergegeben. Die Bildgeschichten fanden ursprünglich jedoch keinen sonderlich großen Zuspruch seitens der Leserschaft. Der Titel ‚Bilderpossen‘1) ist dabei keineswegs zufällig oder verharmlosend gewählt, denn betrachtet man z.B. den ‚Eispeter‘, so zeigt sich hier durchaus „das Vergnügen an einer grausamen und grotesken Vernichtung, das dem Pessimismus Buschs entspricht.“ (S.67)

Fazit:

Ein Buch welches zum einen Freunde des Humors von Wilhelm Busch, zum anderen bibliophile Sammler der Bücher der Insel-Bücherei mit seinem Charme vereinnahmen dürfte.

Zum Buch:

Die erste Besonderheit an diesem Band aus der Insel-Bücherei, welche ins Auge sticht, ist das Format. Entgegen den klassischen kleinen Bänden ist dieser hier im Querformat gehalten, wobei die Seitenverhältnisse dieselben blieben. Als antiquarischer Fund ist die von mir erworbene Ausgabe leider etwas in Mitleidenschaft gezogen worden, wobei auch Funde wie die handschriftliche Eintragung in diesem Buch etwas darüber hinwegtrösten, zumal sie einen Hinweis darauf geben, das Bücher auch nach dem Druck und Verkauf weiter ‚leben‘. Ursprünglich wurden die Bünde mit einer 6-Stich Fadenheftung fixiert. Die Texte sind in Fraktur gesetzt und für den sehr schönen Druck zeichnet die Offizin Haag-Drugulin AG. in  Leipzig verantwortlich.

Buchdaten:

  • Titel: „Bilderpossen“
  • Autor: Wilhelm Busch
  • Umfang: 68 Seiten
  • Verlag: Insel-Verlag
  • Sprache: Deutsch
  • Größe: 12,2 x 18,5 x 1,1 cm

Quellen:
1) Die ursprüngliche Bedeutung von Posse – ‚in Stein gemeißelte Figur‘ – steht i.d.R. für Fratze („Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache“, Friedrich Kluge, 23. Aufl., S.642). Später findet der Begriff im übertragenen Sinne seine auch heute noch gängige Bedeutung als „Unfug, närrisches Zeug“ („Duden – Das Herkunftswörterbuch, 1989, S.542)

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Solid-klassische Science Fiction – Rezension zu „Sieben fielen vom Himmel“ – Alexander Kröger

Mai 6th, 2017

Solid-klassische Science Fiction – Rezension zu „Sieben fielen vom Himmel“ – Alexander Kröger„Gegen zwanzig Uhr fünfzig Ortszeit Richtung Ost, nicht ganz gewöhnlicher Meteorfall.“ (S.278)

Zum Inhalt:

Sie sind zu siebt, die Reisenden deren Mutterschiff, die Galax 2, verschollen ist. Anfangs karge Aussicht auf Rettung bietet ein „bläulich leuchtender Planet“ (S.14), der dritte, der um ein Zentralgestirn kreist. So gut es geht bereiten sie sich auf die Notlandung vor, die ihnen auch erstaunlich unbeschadet gelingt, mit der einen Ausnahme, dass ein Mitglied ihrer Gruppe in der Atmosphäre abtreibt.
Fasziniert von dem Überfluss an Wasser und Leben, den sie feststellen – zumal sie in einem Dschungelgebiet niedergehen – versuchen sich die Kosmonauten zu orientieren, ihren Kameraden zu finden und einen Erstkontakt mit der einheimischen intelligenzbegabten Spezies vorerst zu vermeiden, um Mißverständnissen entgegenzusteueren.
Diese Spezies ist jedoch ihrerseits nicht untätig. Der „nicht ganz gewöhnliche Meteorfall.“ (S.278) erregt ursprünglich wenig, jedoch in Folge immer mehr Aufsehen. Die Situation eskaliert, als ruchbar wird, dass unlautere Kräfte sich der Besucher und somit auch deren Wissens bemächtigt haben könnten, um v.a. wirtschaftlichen Nutzen daraus zu ziehen.
Um eben diesem ersten falschen Eindruck auf die Kosmonauten entgegenzuwirken, ihnen einen würdigen Empfang zu bereiten, sowie eine solide Basis des Vertrauens und der gegenseitigen Achtung zwischen entwickelten Spezies aufzubauen, setzt sich eine Schar integrer Persönlichkeiten ein, deren Ziel das Gelingen einer wertschätzenden Verständigung ist, ebenso wie der Hilfestellung für die Gestrandeten, ihre Heimatwelt wieder zu sehen.

Fazit:

Alexander Kröger entwirft in diesem Text eine Vision ganz entgegengesetzt zu den oft bemühten Invasionsszenarien aus z.B. dem Filmgenre á la „Independence-Day“, „Falling Skies“ oder „World Invasion: Battle Los Angeles“. Die Aliens sind dem krögerschen Idealbild des Menschen entsprechend primär wohlüberlegte, ausgewogen Handelnde Forscher, deren oberste Prämisse das Wohlergehen der Gruppe ist. Dies wird keineswegs als Schwarmkollektiv auf Kosten des Einzelnen erreicht, sondern vielmehr durch einen Einbringen der Stärken des Einzelnen, über deren Wichtigkeit sich jeder bewusst ist. Demgegenüber steht nun aber auch wieder nicht eine durch und durch perfide menschliche Gesellschaft, die in ihrer Gier nur nach Ausbeutung trachtet. Es gibt auch hier einen differenzierteren Ansatz des sowohl als auch. Genau dieses changieren zwischen den Polen zeichnet den Roman aus, wobei die Sympathie des Autors für eine wissenschaftlich-technische, humanistisch fundierte Weltsicht mehr als nur am Rande ersichtlich ist. Wer Alexander Kröger und seinen schriftstellerischen Werdegang  etwas kennt, den wird dies keinesfalls überraschen und schon gar nicht stören.
Etwas irritierend wirken inhaltlich nur die teils etwas inkohärente Verwendungen der Zeiteinheiten („Viertelstunde“ S.36 – Chalo, „Noch zehn Sekunden…“ (S.37) – Chalo, „…dass, sie erst 15 Zeiteinheiten unterwegs waren“ ), die gut angedacht, aber zu wenig konsequent durchgezogen wurden. Im Rahmen der AKW ist auch dieser Band ein feines Stück wissenschaftlicher Phantastik die Lust auf mehr macht.

Zum Buch:

Nachdem es sich bei Band 1 der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) um ein in Verarbeitung wie Aufmachung identes Buch, abgesehen vom Coverbild, wie bei Band 20 „Chimären“ handelt, sei hier auf ebendiesen für die Buchbeschreibung verwiesen.

Buchdaten:

  • Titel: „Sieben fielen vom Himmel“
  • Autor: Alexander Kröger
  • Umfang: 294 Seiten
  • Verlag: Edition Solar-X (2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-945713-31-0
  • Größe: 19,5 x 13,8 x 2,1 cm

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Liebliche Sprachmelodie – Rezension zu „Alemannische Gedichte“ von Johann Peter Hebel

April 29th, 2017

"Allemannische Gedichte" - Johann Peter Hebels„Und wenn den amme Chrüzweg stohsch
Und nümme weisch, wos ane goht,
Halt still und frog die Gwisse z’erst,
’s cha dütsch, gottlob, und folg sim Rot.“ (S.68)

Zum Inhalt:

Volkstümliche Miniaturen sind es, die Hebels in den ausgewählten teils strophischen Texten im alemannischen Wortklang festhält. Bereits der erste ist Programm: „Die Wiese“ führt den Leser durch eben die geografischen Landschaften, denen die alemannische Zunge eigen ist. Die Signatur Hebels findet sich dabei beinahe in jedem der Gedichte: es ist die Zielgerichtetheit seiner Inhalte. Sei es nun bereits der Fluss vom Ursprung bis zum Rhein, die Wege hin zu Allegorischem oder der letzte Weg, welcher lt. Hebels nicht zu verfehlen sei, auch ganz ohne den ebenfalls benannten „Wegweiser“. Aufgeklärter Humanist der er war, lädt der Autor den Leser zu einer Reise ein, die druch einen Garten lieblicher und gleichermaßen gehaltvoller Sprache führt.

Enthaltene Texte:

  • Die Wiese
  • Der Sommerabend
  • Das Spinnlein
  • Der Stadthalter von Schopfheim
  • Der Morgenstern
  • Der Winter
  • Die Vergänglichkeit
  • Riedlingers Tochter
  • Das Gewitter
  • Der Wächter in der Mitternacht
  • Der Abendstern
  • Geisterbesuch auf dem Feldberg
  • Der Wegweiser

Fazit:

Eine ausgesprochen liebliche Sprachmelodie ist es, welche das Alemannische in Hebels Texten auszeichnet. Johann Peter Hebel (*10.5.1760 – 23.9.1826) machte sich „auch über ihre Verbreitung nicht sonderliche Hoffnungen“ (S.69), als diese 1803 erstmals erschienen vom Autor auf eigene Kosten finanziert. Es lag dem Autor daran „der hochsprachlichen Literatur eine dialektale ebenbürtig zu Seite zu stellen,…“1). Das Gelingen dieses Ansinnens attestierten ihm bereits Jean Paul und J.W. v. Goethe. Auch wenn sich das Einlesen in Klangfarbe und Rhythmik des Alemannischen etwas Zeit bedarf, so ist es diese allemal mehr als wert. Behilflich dabei ist auch ein „Alemannisches Wörterverzeichnis“ am Ende des Bändchens, das dem Leser ans Herz gelegt sei 🙂 und das, wenn auch sehr kurze, Nachwort von Heinrich Ernst Kromer.

Zum Buch:

Auf den ersten Blick erscheint der hübsche kleine Band aus der Insel-Bibliothek gleicherart gestaltet, wie es für die Bände aus dieser Reihe üblich ist. Erst bei näherer Betrachtung stellt der bibliophile Leser / Sammler fest, dass buchbinderisch leider etwas „gespart“ wurde und anstelle der Faden- eine Klammerheftung der einzelnen Bünde getreten ist. Zugegeben eine durchaus stabile, aber dennoch optisch weniger ansprechende Art der Blattfixierung, zumal die Metallklammern zur Korosion neigen und unansehnliche Flecken verursachen. Ansonsten sind der recht grobfaserige Bedruckstoff, sowie die Ausführung des Drucks für den die Spamersche Buchdruckerei zu Leipzig firmiert der Zeit entsprechend. Gesetzt wurde der Text in Fraktur.

Buchdaten:

  • Titel: „Alemannische Gedichte in Auswahl“
  • Autor: Johann Peter Hebels
  • Umfang: 80 Seiten
  • Verlag: Insel-Verlag Frankfurt am Main; 1. Auflage 1919
  • Sprache: Deutsch
  • Größe: 18,5 x 12,2 x 0,9 cm

1)  Kindlers Literatur Lexikon Bd.7, S. 495

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Das Grab ist keine Grenze – Rezension zu „Das Rad der Zeit“ Bd. 2 „Die Jagd beginnt“ von Robert Jordan

April 22nd, 2017

Das Grab ist keine Grenze - Rezension zu „Das Rad der Zeit“ Bd. 2 „Die Jagd beginnt“ von Robert Jordan„Der Tod ist leichter als eine Feder, aber die Pflicht ist schwerer als ein Berg.“ (S.734)

Zum Inhalt:

Egwene sieht den lang gehegten Wunsch einer Ausbildung zur Aes Sedai in der Burg in greifbarer Nähe und lernt dabei neue Freunde kennen. Von Rand getrennt, versucht sie so viele Informationen über seinen Verbleib zu erlangen, wie sie kann. Unterdessen ist Rand auf der Jagd nach dem Horn von Valere, welches er im Gegensatz zu den vielen Glücksrittern, die ein ähnliches Ansinnen verfolgen, bereits in Händen hielt und um seine Macht in Grundzügen Bescheid weiß. Verlass ist dabei auf seine Begleiter, sei es nun Loial der Ogier, Hurin der Fährtensucher, seine Jugendfreunde Perrin und Mat oder den Ingtar Shinowa dessen überraschende Geschichte eine entscheidende Wende in der Handlung bringt. Das Horn zu finden, es dem Einflussbereich des Dunklen Königs zu entziehen, es in die vermeintliche Sicherheit der Shienarer zurückzubringen und damit die Ganze Verantwortung einer nie gewollten Heldenrolle abzulegen treiben Rand an. So sehr, dass er auch bereit ist für dieses Ziel auf die verhasste Fähigkeit zurückzugreifen, die Macht zu nutzen. Spürend, dass ihn deren Anwendung zunehmend verändert, zu einem ihm und den Gefährten Fremden macht, meidet er Kontakt zu dieser Kraft wo immer es auch kann.
Keineswegs geradlinig führt dabei das Rad der Zeit die Fäden der unterschiedlichsten Wesen im Gewebe rund um Ta’veren zusammen. Auch Rand beginnt zu ahnen, dass hinter seiner Herkunft ein Geheimnis versteckt liegt, dessen Tragweite und drückende Last ihn zu zerbrechend droht… und mit ihm alle die ihm etwas bedeuten.

Fazit:

Zu recht gilt die Saga „Das Rad der Zeit“ als einer der Meilensteine der modernen Fantasy, schafft es Robert Jordan doch ein Universum zu kreieren, in dem der Leser unzählige Stunden abtauchen kann in eine Welt ohne grobe logische Brüche, mit stimmigen Charakteren, deren Entwicklung genügend Zeit erhält um nachvollziehbar und kohärent zu sein. Gut durchdachter Aufbau, eine plastische Sprache und ein reger Wechsel zwischen informativen Sequenzen und spannungsgeladenen Abschnitten treiben die Handlung zügig voran. Es bleibt das angenehme Lesegefühl der Vorfreude auf den nächsten Band, das weitere Begleiten der ans Herz gewachsenen Protagonisten.

Zum Buch:

Der zweite Band der Reihe „Das Rad der Zeit“ die sich dem Original am engsten verschrieben hat, ist in der Aufmachung dem ersten gefolgt und glänzt durch ausgezeichnete Verarbeitung in Verleimung, Umschlaggestaltung, Druck und Bedruckstoffe. Sehr positiv ist zu vermerken, dass die Original-Cover-Motive benutzt wurden, keine Selbstverständlichkeit betrachtet man die gesplittete Auflage der Saga, deren Bilder i.d.R. mit dem Text nichts zu tun haben. Ausgesprochen hilfreich ist auch in diesem Buch die wunderschöne Landkarte und das Glossar am Ende des Bandes. Eine ausführlichere Beschreibung, sowie entsprechende Links findet sich in der Buchbeschreibung zum ersten Band der Serie, ebenso findet sich dort ein Link zur Äquivalenzliste der englischen und deutschen Bücher des Originals.

Buchdaten:

  • Titel: „Das Rad der Zeit 2 – Die Jagd beginnt“
  • Autor: Robert Jordan
  • Umfang: 780 Seiten
  • Verlag: Piper, Auflage: 4 (2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-492-70082-5
  • Größe: 21,5 x 13,5 x 4,4 cm

 

Merken

Merken

Merken

Merken

Bei Licht betrachtet… – Rezension zu „Die Marsfrau“ – Alexander Kröger

April 15th, 2017

Titelbild "Die Marsfrau" - Alexander Kröger„»Das Leben ist im Letzten unerforschlich.«“ (S.51)

Zum Inhalt:

Mac O’Man und Alexej Bolscha sind ein eingespieltes Team. Als Terraformer auf dem Mars leisten sie zusammen mit ihren zahlreichen Kollegen Pionierarbeit in der Begrünung des Planeten und damit der Schaffung einer dem Menschen zuträglichen Atmosphäre. Ein Tag vergeht wie jeder andere. Routine par excellence sozusagen bis zu dem Tag an dem Mac jenes verstörende und verstörte Wesen in den von ihm und Alexej betreuten Anpflanzungen ausmacht, das alles auf den Kopf stellen soll.
Zur selben Zeit auf der Erde bemühen sich Wissenschaftler eine Synthese von tierischen und pflanzlichen Eigenschaften auf Zellniveau zu erreichen, um somit in kargen Umgebungen – also nicht zuletzt auch auf dem roten Planeten – die solide Grundlage einer Nahrungsversorgung für die menschliche Zukunft zu erarbeiten. Allan Nagy ist dabei einer der zentralen Motoren, den jedoch die Geister seiner Vergangenheit ebenso verfolgen, wie ethische und moralische Grundfragen zur Richtigkeit der Eingriffe, die mit Hilfe der Gentechnik zur bewerkstelligen sind. Es bleibt nicht aus, dass der nächste Schritt nach den Test mit „niederen“ Organismen gewagt wird und Nutztiere für den Mars mit assilimilatorischen Fähigkeiten kreiert werden. Allan wird, als in sein Kollege Sylvester immer wieder durch sein Interesse an den vergangenen Forschungen damit konfrontiert, mehr und mehr bewusst, dass seine früheren wissenschaftlichen Beiträge, ebenso wie die fatalen Fehlentscheidungen, auf der Erde ihren Schatten bis auf den Mars werfen. Und dabei hält dieser Planet eine Überraschung für ihn bereit, die – wenn auch erahnt – so doch von ungeheurlicher wissenschaftlicher, moralischer, ethischer und nicht zuletzt menschlicher Tragweite ist…

Fazit:

Die Erzählung, welche Alexander Kröger vor dem Leser ausbreitet könnte angesichts der stets wieder aktuellen Patentrechtstreitigkeiten großer Pharma- und Landwirtschaftsriesen um Genmanipulationen nicht brisanter sein. Er wirft Fragen auf, ohne dabei für eine bestimmte Seite polemisch zu vereinnahmen. Es sind die unterschiedlichen Charaktere, welche Kröger geschickt verschiedene Aspekte des Themas artikulieren lässt. Wo die Grenzen, aber auch die Möglichkeiten genetischer Manipulation liegen (können), darum drehen sich als eine der zentralen Fragen die erzählerischen Wendungen. Zum einen spürt man dabei eine gewisse Hin-und-Her-Gerissenheit zwischen Pessimismus („Gesetze wurden schon immer den Erfordernissen angepasst, erst recht ethisch-moralische.“ (S.234))  und Fortschittsglauben („Sobald man vom Nutzen, nein vom Funktionieren überzeugt war, hat man die Gentechnik angewendet. Krebs ist Geschichte, fast alle Erbkrankheiten sind ausgerottet, der verbleibende kleine Rest wird in den nächsten Jahren auch verschwinden. Wir werden bald den intakten Menschen haben, den Menschen ohne körperlichen Defekt, ohne geistigen, zumindest was die Anlagen betrifft…“ (S.189)).
Kröger will mit dem Text keinesfalls endgültige Antworten oder gar simplifizierende Richtlinien geben, sondern vielmehr Denkanstöße für ein komplexes Thema liefern, dem mit monokausalistischen Stammtischargumentationen nie und nimmer genüge getan werden könnte. Er überlässt es dem Leser (s)einen Standpunkt zu suchen und vielleicht zu finden. Die Protagonisten seiner Geschichte sind allesamt stimmig, von solidem Entwurf und durchgehend nachvollziehbar in Handlung, sowie Entwicklung, gekennzeichnet durch eine – wie mir scheint – positive Haltung Krögers zur Grundfähigkeit des Menschen aus Fehlern zu lernen.

Zum Buch:

Nachdem es sich bei Band 19 der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) um ein in Verarbeitung wie Aufmachung identes Buch, abgesehen vom Coverbild, wie bei Band 20 „Chimären“ handelt, sei hier auf ebendiesen für die Buchbeschreibung verwiesen.

Buchdaten:

  • Titel: „Die Marsfrau“
  • Autor: Alexander Kröger
  • Umfang: 273 Seiten
  • Verlag: Edition Solar-X (2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-945713-29-7
  • Größe: 19,5 x 13,8 x 1,9 cm

Merken

Merken

Merken

Vom Gejagten zum Jäger – Rezension zu „Das Erbe der Yulocs“ Bd. 71 der Silberedition Perry Rhodan

April 8th, 2017

„Das Erbe der Yulocs“ Bd. 71 der Silberedition Perry Rhodan„»Rechnen sie auf alle Fälle mit einer Enttäuschung, dann trifft die Wahrheit sie nicht so hart«.“ (S.265)

Zum Inhalt:

Dem Tschatro von Yaanztar ist das Ceynach-Gehirn, als welches das von Rhodan gilt, ein Dorn im Auge. So greift er zu einer beinahe sagenumwobenen Rückversicherung für solche Fälle: dem Dem Ceynachkommando, bestehend aus den Gehirnen zweier Yulocs, von denen er einen für diese heikle Aufgabe auswählt. Dieser Yuloc mit Namen Torytrae setzt sich auf die Fährte Rhodans, dessen Karten damit denkbar schlecht aussehen, denn bis zu diesem Zeitpunkt wurde noch jedes Ceynach-Gehirn von den Yulocs zur Strecke gebracht, will heißen getötet.
Die Freundschaft Rhodans mit Heltamosch macht sich einmal mehr bezahlt. Heltamoschs Kontakte ermöglichen es nicht nur, Rhodans Gehirn in einen neuen Körper zu transferieren und ihn so kurzfristig aus der Schusslinie zu nehmen, sie ermöglichen auch das Aufsuchen einer der 3 an sich verbotenen Heimatwelten der Yulocs. Auf dieser Welt, Traecther genannt, versucht der Terraner verzweifelt in den Archiven des sagenumwobenen Yulocvolkes, einen Hinweis auf die kosmischen Koordinaten seiner Heimatwelt Terra zu finden.
Was Rhodan und seinen treuen Begleiter Gayt-Coor auf Traecther erwartet, übertrifft dann jedoch auch die kühnsten Ideen, derer Rhodan fähig war. Nicht zuletzt deswegen, weil er durch die Entdeckung der stofflichen Gegebenheiten, in denen er sich in Naupaum befindet einen herben Tiefschlag erhält.
Ganz der Diplomat, als der Rhodan sich bis dato stets bewiesen hat, versucht er einen Kontakt zu eben jenem Wesen herzustellen, dessen primäres Ziel seine Auslöschung ist: dem Yuloc Torytrae. Vom Gelingen oder Scheitern dieser Verbindung hängt in letzter Konsequenz nicht nur das Wohl oder Weh des Terraners ab. Auch jenes des Sternenreiches, dem er vorsteht und jenes seiner neu gewonnenen Freunde hängt an diesem seidenen Faden…

Fazit:

Waren die letzten Bände – v.a. die ersten beiden des Zyklus – eher serienuntypisch  flau, so bekommt die Geschichte um „Das Kosmische Schachspiel“ mit dem 71. Silberband wieder jenen Charme zurück, der Geschichten aus dem Perryversum auszeichnet. Nicht nur Freunde klassischer Abenteuer- und Actionstorys kommen auf ihre Kosten. Es gelingt den Autoren auch ein facettenreiches Bild der Völker, Charaktere und Kulturen jenes Universums zu zeichnen in das Rhodan verschlagen wurde.
Als kleines Goodie habe ich die Notizen, die ich mir während des Lesens gemacht hatte als grafische Inhaltsangabe wieder im folgenden Link hinterlegt Grafische Inhaltsangabe Bd. 71 .

Zum Buch:

Der Tradition der Silberbände folgend, ist auch dieser Band gut verarbeitet, weist einen solide verarbeiteten Buchblock aus griffigem Bedruckstoff auf und gibt sich drucktechnisch keine Blöße. Die künstlerische Gestaltung hält sich ebenfalls an die liebgewonnenen Eigenheiten der Serie, vom Kippbild auf dem Umschlag, bis hin zu den Risszeichnungen auf den Klappeninnenseiten. Ein diesbezüglich rundum gelungenes Buch.

Buchdaten:

  • Titel: „Das Erbe der Yulocs“
  • Umfang: 416 Seiten
  • Verlag: VPM Verlagsunion Pabel Moewig KG
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3-8118-2031-1
  • ISBN-13: 978-3-8118-2095-8
  • Größe: 19,7 x 13,2 x 4,1 cm

Merken

Merken

Merken

Frischer Lesewind – Rezension zu „Lob des Taifuns“ von Durs Grünbein

April 1st, 2017

Titelbild "Lob des Taifuns" - Durs Grünbein„Verbring ihn allein
Diesen Tag – du wirst sehen,
Wieviel länger er dauert.“(S.37)

Zum Inhalt:

Mit dem Band Nr. 1308 aus der Inselbücherei stellt Durs Grünbein alle vier in Haikus verfassten Tagebücher seiner Japan-Reisen zusammen: ein großer Schritt in der Geschichte der deutschsprachigen Haiku-Dichtung.“(S.115) Die in Deutsch und Japanisch dargebotenen Kurzgedichte, in enger Anlehnung an die und in der Tradition der japanischen Haikus verfasst, nehmen den Leser in stenografischer Dichtheit mit auf eine Reise, welche Durs Grünbein zu (s)einem Japan-Erlebnis macht. Im Nachwort, dessen inhaltliche, historische und literaturkritische Fingerzeige ein lyrisches Universum öffnen, das dem klassischen Gedichtrezipienten ansonsten verschlossen bleibt, breiten Grünbein und Yûji Nawata einen irisierenden Teppich an Informationen rund um diese „poetische Kurz- und Kürzestform“ (S.102) aus.

Fazit:

Anfangs irritiert die Präsentation des lyrischen Textes stark, zumal, wenn man wie ich, des Japanischen nicht mächtig ist. Man kann jedoch getrost den Worten Yûji Nawatas im Nachwort vertrauen, wenn er schreibt: „Wenn daher Leserinnen und Leser dieses Buches der Insel-Bücherei unlesbare Schriftzeichen vor sich sehen, darunter viele chinesische, erleben sie das gleiche, was auch Grünbein erlebt und in seinen Haikus thematisiert hat. Diese Erfahrung schadet bei der Lektüre nicht, ist hoffentlich vielmehr hilfreich. Auch so kann die Zweisprachigkeit des vorliegenden Büchleins verstanden werden.“ (S.127)
Geerdet, ja beinahe geeicht von der Lyrik Heines, Brechts oder Hesses, fand ich in diesem Exkurs einen vollkommen neuen stilistischen Kosmos, den ich als Leseerlebnis nicht mehr missen möchte. Auch zeigt die auf diese Weise schreibende Erarbeitung einer Reise eine spannende und durchweg zur Nachahmung animierende Form der Reisedokumentation auf, die noch erheblich persönlicher, intimer als jene des Fotografierens oder Filmens ist. Am ehesten Vergleichbar dem Malen, jedoch sowohl zeitlich, wie auch raumtechnisch um Welten kompakter.

Zum Buch:

Ausgezeichnet in jedweder Hinsicht präsentiert sich der Band der Insel-Bücherei, sei es nun handwerklich buchbinderisch, wie auch drucktechnisch. Stets findet der Leser Buchkunst auf sehr hohem Niveau. Gesetzt wurde der Text aus den Schriften Adobe Garamond Pro und Kozuka Mincho Std., das Motiv des Einbandes wurde dem Einwickelpapier eines Tokyoter Sojawarenhändlers entlehnt und rundet das Buch ästhetisch stimmig ab.

Buchdaten:

  • Titel: „Lob des Taifun“
  • Autor: Durs Grünbein
  • Umfang: 136 Seiten
  • Verlag: Insel Verlag Frankfurt am Main (EA)
  • Sprache: Deutsch / Japanisch
  • ISBN-13: 978-3-458-19308-1
  • Größe: 18,5 x 12,2 x 1,4 cm

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Nicht stimmig – Rezension zu „Green Net“ von Wilfried von Manstein

März 25th, 2017

Einbandbild "Green Net" - Wilfried von Manstein„Als Lebewesen sind wir alle gleich. Nichts ist schlecht in der Natur.“ (S.41)

Zum Inhalt:

Wilfried von Manstein entwirft in seinem Buch ein Szenario, in welchem Pflanzen, verbunden über ein globales Netzwerk – genannt „grünes Internet“ (S.39) – aus Wurzeln, Botenstoffen, sowie auch tierischen Helfern versuchen, das Joch der menschlichen Unterdrückung abzuschütteln. Mittels eines Apparates, genannt Zeiter, gelingt es zum einen Menschen zu verlangsamen und Pflanzen zu beschleunigen, womit auch erst die potentielle Möglichkeit für die floralen Marodeure entsteht, sich ernsthaft gegen die als Krankheit empfundene Menschheit zur Wehr zu setzen. Dreh- und Angelpunkt sind dabei v.a. die beiden Charaktere Mario und Rado, deren Eltern dem Pflanzenaufstand bzw. dessen Vorläufern als eine der ersten zum Opfer fallen und für deren Rettung die beiden Jugendlichen Himmel und Hölle – teils im wahrsten Sinne des Wortes – in Bewegung setzen. In einer aus den Angeln gehobenen Welt, mit mystischen Wesen, von Zeitreisen, KIs und Robotern, sprechender Vegetation und durchaus menschlich agierender Fauna kämpfen sie sich mit nur einer Hand voll Verbündeter ihrem Ziel entgegen: der Genesung ihrer Eltern und des Planeten…

Fazit:

Die Idee hinter dem Text von Wilfried von Manstein, sowie die Aufmachung des Buches und der Teaser hatten mein Interesse an der Geschichte geweckt. Anfangs durchaus spannend geschrieben, wenn auch teils arg konstruiert, driftete die Story allerdings rasch in eine „böse Menscheit vs. gute Natur“-Platitüde ab, die mit fortschreitender Seitenanzahl immer abstruser wird. Abgesehen von flachen Charakteren – sowohl auf Seiten der Menschen, wie auch der der Pflanzen und Tiere – stören logische Brüche und völlig irrationale Zahlenspiele. So z.B. heißt es „In Schulen, Turnhallen und Gemeindezentren sterben die Menschen, Hunderttausende in jeder Sekunde.“ (S.150)  Das geht sich auch mit viel Fantasie nicht lange ohne eine komplette Entvölkerung der gesamten Welt aus, v.a. nicht so lange wie die Geschichte daneben weiterspielt.
Mit Zeitangaben wird ohnehin recht salopp umgegangen, da können schon mal Wochen oder Monate vergehen, was weder die Geschichte sonderlich weiter bringt, noch dramaturgisch zieht und auch das Verhalten der Akteure kann man dabei nicht wirklich als in sich stimmig bezeichnen. Da helfen auch Epizykeltheorien zu Zeitreisen wenig weiter!
Insgesamt erweckt die Geschichte für mich den unstimmigen Eindruck als hätte man nordische Mythologie, SciFi- und Fantasy-Versatzstücke, garniert mit einem arg antropomorphen Naturbild in einen Mixer geworfen und erwartet, es käme dabei eine in sich stimmige homogene Storyline heraus. Die durchaus vorhandenen guten Ansätze wurden aus meiner Sicht zu wenig genutzt.
Einen grobtextuell sehr störenden Fauxpas stellen für mich die 75(!) Kapitel auf 406 Seiten dar. Hier gilt definitiv: weniger ist mehr.

Zum Buch:

Der Band aus dem Verlag M. Boerner besticht optisch durch sehr schön gestaltete, feste Buchdeckel, die eine gewisse atmosphärische Wiedergabe des Textes resp. eine Einstimmung darauf versuchen. Der Bedruckstoff ist zum einen angenehm glatt, aber dennoch griffig, was dem Buch zusätzlich eine hochwertige Haptik verleiht. Ausgezeichnet ist auch die Fadenheftung realisiert und das Lesebändchen rundet den buchbinderisch sehr wertigen Eindruck noch einmal positiv ab. Typografisch wurde auf eine etwas größere Schrift und eine klare Strukturierung gesetzt. Einziges Manko in diesem Zusammenanhang ist ein Druckfehler, der sich allerdings bis zum Ende über die Druckbögen durchzieht (Beispiel siehe hier).

Buchdaten:

  • Titel: „Green Net“
  • Autor: Wilfried von Manstein
  • Umfang: 412 Seiten
  • Verlag: Verlag M. Boerner (2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-9424-9820-3
  • Größe: 21,6 x 14 x 2,9 cm

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Wesenszüge – Rezension zu „Chimären“ – Alexander Kröger

März 18th, 2017

Coverbild "Chimären" - Alexander Kröger„Genau wie ich wissen Sie, dass ethische und moralische Erwägungen in der Menschheitsgeschichte niemals eine entscheidende Rolle gespielt haben, wenn Wissen, Profitstreben und Kapital zusammentrafen.“ (S.11)

Zum Inhalt:

Dem Forscherteam rund um Dr. Lehmann und Master Shirley Lindsey gelingt ein medizinisch-biologischer Durchbruch. Nachdem man die Probleme mit Immunabwehr, dem Transfer von Genen- und Gengruppen innerartlich in den Griff bekommen hatte, wurde der logische nächste Schritt gewagt: das Sprengen von Artgrenzen. Zuerst an Tieren zur Perfektion getrieben, setzt sich Lehmann mit seinen Mitarbeitern über die zaghaften ethischen Bedenken hinweg und beginnt mit Hund-Mensch-Hybriden zu experimentieren. Die Tests verlaufen mehr als nur erfolgreich! So erfolgreich, dass sich die Mitglieder des Forscherteams unversehens mit zentralen Fragen eines regen Verstandes konfrontiert sehen, der weit über seinen ursprünglichen „Zweck“ hinaus, (s)einen Platz im Leben sucht – abseits bloßer Existenz. Gelingt es dem Schöpfer seinem Geschöpf die Frage nach dessen Platz in einer Welt zu beantworten, die mit der bloßen Existenz eben dieser Schöpfung in jedweder Hinsicht überfordert zu sein scheint?

Fazit:

Dr. Helmut Routschek, alias Alexander Kröger, kreiert mit „Chimären“ einen inhaltlich wie erzählerisch sehr dichten Text, dessen zentrale Thematik aktueller nicht sein könnte. Speziesübergreifende Genexperimente werfen nicht nur Fragen der reinen technisch-naturwissenschaftlichen Machbarkeit auf. Sie changieren auch nicht nur zwischen den Polen von rein edler medizinscher Hilfestellung und kalter betriebswirtschaftlicher Kosten-Nutzenrechnung. Vielmehr kommen Fragen der Ethik, der moralischen Verantwortlichkeiten und der Grenzziehungen zwischen dem Dürfen/Sollen und der Machbarkeit auf. Einen denkmöglichen Ansatz zeigt „Chimären“ auf, gespickt mit der zusätzlichen Implikation des „Selbst-Verständnisses“ der Geschöpfe des Homo faber. Wie viel des Schöpfers widerspiegelt sein Geschöpf? Und wenn das Geschöpf nach dem Sinn seiner Existenz, seiner Daseins-Berechtigung, seiner Zukunft fragt, welche Antworten hat eine Gesellschaft, die (kreiertes) Leben als Ding, als primär-wirtschaftliche Ressource sieht?
Die einfühlsame, beinahe liebvoll-empathische Schilderungen des heranwachsenden Ichs der Chimären im Roman stellt aus meiner Sicht einen der Höhepunkte des Textes dar, die den Autor weit abseits jedweder monokausalistischer Polemik einordnet.

Zum Buch:

Mit dem Band 20 der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) liefert der Solar-X Verlag ein solides Paperback-Buch. Sowohl der feste, abwischbare Einband, als auch der griffige Seitenbedruckstoff hinterlassen, ebenso wie die stabile Verleimung, einen angenehmen haptischen Eindruck. Typografisch ist der Text schlicht gehalten, mit hoher Wertlegung auf gute Lesbarkeit. Drucktechnisch gibt man sich keine Blöße, sowohl was den Text als auch den Umschlag betrifft. Für die bildnerische Gestaltung firmiert Klaus Brandt, welcher auch eine entsprechende Webpräsenz für die AKW eingerichtet hat . „Der langjährige Lektor und Partner des Autors, Wilko Müller jr., plant als Herausgaber in der Edition Solar X eine komplett neue Alexander Kröger Werkausgabe mit 20 ausgewählten Werken.“ 1) D.h. man kann sich als Liebhaber klassisch hochwertiger SF auf weitere Texte aus der Feder Krögers im Rahmen dieser Werkausgaben freuen.

Buchdaten:

  • Titel: „Chimären“
  • Autor: Alexander Kröger
  • Umfang: 176 Seiten
  • Verlag: Edition Solar-X (2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-945713-30-3
  • Größe: 19,5 x 13,8 x 1,3 cm

 

Quellen:
1.) Internetpräsenz Alexander Kröger

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken