Vielgestaltig – Rezension zu „Liebesgedichte“ von Bertold Brecht

Februar 17th, 2017

Titelbild "Liebesgedichte" - Bertolt Brecht„… und ich verbeuge mich in den Wind“ (S.49)

Zum Inhalt:

Brecht „hinterließ mit über 2000 Gedichten und drei großen Lyriksammlungen eines der umfangreichsten und gewichtigsten lyrischen  Werke der deutschsprachigen Literatur des 20. Jh.s.“1), so kommentiert Kindlers Neues Literaturlexikon das Lyrische Werk Brechts. In dem vorliegenden Band werden thematisch zusammengestellt einige der Liebesgedichte Brechts vor den Vorhang dieser überwältigenden Fülle geholt. 50 Stück sind es an der Zahl bei denen Brecht immer wieder zwischen lyrischen Formen changiert. In der Regel eingängig, melodiös gehalten ergänzen sich dabei Form und Inhalt in organischer Art und Weise, was den Leser oft mehr spüren als intellektuell analytisch erfassen lässt, was hinter oder zwischen den Worten ausgedrückt werden soll. Zumal die Perzeption und Interpretation gerade in Sachen Liebe eine ausgesprochen subjektive ist, wobei sich die Lyrik hierbei geradezu anbietet Brücken zwischen Gefühl und literarischem Ausdruck zu schlagen. So ist eines der für mich persönlich beeindruckendsten Gedichte aus diesem Band „Morgens und abends zu lesen“, de es in einer beeindruckenden Schlichtheit die Dualität von Zweisamkeit und Eigenliebe einfängt. Sonette, Balladen, Lieder selbst einfache kurze Stabreime spiegeln das Œvre Brecht in diesem Band ansatzweise wieder und machen die Lektüre zu einem Genuss.

Fazit:

Der kleine Band aus der Insel-Bibliothek kann nur als ein thematischer Einstieg in das lyrische Schaffen eines der bedeutendsten Schriftsteller des deutschen Sprachraumes dienen. Dies jedoch gelingt ihm außerordentlich gut. Elisabeth Hauptmann hat mit viel Gespür, sowohl für Autor wie für Leser, eine Auswahl arrangiert, welche die handwerkliche, wie auch inhaltliche Bandbreite Brechts ansatzweise wiedergibt. Auf jeden Fall ein überaus lesenswerter Beitrag mit dem die Insel-Bibliothek ihrem Anspruch erneut gerecht wird.

Zum Buch:

Aus der Insel-Bibliotheks-Reihe kommt mit dem Band 852 erneut ein liebevoll gestaltetes Büchlein im Hardcover. Die Bindung ist sehr schön und hochwertig realisiert. Wie bei diesen Büchern üblich wurde auch auf die Einbandgestaltung großer Wert gelegt, so dass ein individuelles bibliophil ansprechendes Werk geschaffen wurde. Die Typografie ordnet sich der lyrischen Ausrichtung des Textes unter und kann durchaus als spartanisch, jedoch nicht unästhetisch, angesehen werden. Einzig ein paar drucktechnische Lapsus trüben das Gesamtbild marginal.

Buchdaten:

  • Titel: „Liebesgedichte“
  • Autor: Bertold Brecht
  • Umfang: 70 Seiten
  • Verlag: Insel Verlag
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-458-08852-3
  • Größe: 18,5 x 12,2 x 1,0 cm

1)  Kindlers Literatur Lexikon Bd.3, S. 70

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Wissenstransfer – Rezension zu „Gehirn in Fesseln“ Bd. 70 der Silberedition Perry Rhodan

Februar 10th, 2017

Titelbild "Gehirn in Fesseln" - Perry Rhodan Silberband 70„Im Nichts gab es weder groß noch klein, weder oben noch unten. Hier zählte nur das Bewußtsein.“ (S.148)

Zum Inhalt:

Markhor de Lapal zeichnet im Auftrag von Anti-Es dafür verantwortlich, dass ein perfider Plan in die Tat umgesetzt wird: Rhodans Bewußtsein, ja sein gesamtes physisches Gehirn wird gegen ein Android-Organ ausgetauscht, dessen Loyalität Anti-Es gehört. Rhodans Gehirn wird in eine weit entfernte Ecke des bewohnten Weltraums transferiert, in der die Transplantation von Gehirnen zur Lebensverlängerung ein fast schon alltäglicher medizinischer Eingriff ist. Doch auch hier herrschen Regeln moralischer und soziologischer Natur, derer sich Rhodans Bewusstsein erst einmal gewahr werden muss. Diese Aktion läuft so frech vor den Augen der terranischen Freunde Perrys ab, dass diese vorerst keinen Verdacht schöpfen.
Es wäre nicht Rhodan, würde er an dieser Herausforderung zerbrechen, egal wie abgeschnitten er von seiner Heimat ist oder wie trist die Lage wirkt. Die Jahrhunderte seiner Lebenserfahrung kommen ihm zugute, zumal es hier nicht nur um mentale Resilienz, sondern auch um das Beherrschen des politischen Macht- und Ränkespiels in einer vollkommen fremden Gesellschaft geht. Er muss mit teils sehr zwielichtigen Gestalten kooperieren, über seinen menschlichen Schatten springen, Allianzen mit zweifelhaftem Wert und noch zweifelhafteren Organisationen schließen, nur um seinem Ziel – der Rückkehr in das Solsystem – näher zu kommen. Die Gefahren sind dabei nicht nur rein politischer, sondern sehr realer physischer Natur, wie Rhodan immer wieder schmerzhaft aufs Neue erfahren muss.

Fazit:

Mit dem dritten Band im Zyklus „Das Kosmische Schachspiel“ gelingt des den Autoren und v.a. der Redaktion der Silberbände das erzählerische Ruder wieder etwas herumzureißen. Waren die beiden Vorgängerbände nicht gerade Glanzlichter, so gewinnt die Geschichte hier wieder etwas an Fahrt, sowie einen Hauch des ursprünglichen Charmes der Rhodan-Erzählungen zurück. Es werden alternative Soziologien entworfen, ebenso wie Versuche unternommen Einblicke in andersartige Wertesysteme und Denkweisen zu geben. Rasante spannungsgeladene Teile wechseln sich dabei mit deskriptiven ruhigeren Etappen ab, ohne Langeweile aufkommen zu lassen. In dieser Form ist man Perry-Rhodan Storys „gewohnt“.
Als kleines Goodie habe ich die Notizen, die ich mir während des Lesens gemacht hatte als grafische Inhaltsangabe wieder im folgenden Link hinterlegt Grafische Inhaltsangabe Bd. 70 .

Zum Buch:

Es ist ein Silberband, der sich nahtlos in die ausgezeichnet verarbeiteten Vorgängerbände einordnet. Sei es nun in drucktechnischer wie auch layouterischer Hinsicht. Die Verarbeitung des Buchblockes mit seinen festen, griffigen Seiten, sowie die beinahe traditionell zu nennende bildnerische Gestaltung des Einbandes sind ausgezeichnet realisiert. Ein Buch das handwerklich durchaus auf einem hohen Stand und ästhetisch ansprechend ist.

Buchdaten:

  • Titel: „Gehirn in Fesseln“
  • Umfang: 430 Seiten
  • Verlag: VPM Verlagsunion Pabel Moewig KG
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3-8118-2094-X
  • Größe: 19,7 x 13,2 x 4,4 cm

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Vereinnahmend – Rezension zu „Das Rad der Zeit“ Bd. 1 „Die Suche nach dem Auge der Welt“ von Robert Jordan

Februar 3rd, 2017

Titelbild "Das Rad der Zeit" (Bd.1) - Robert Jordan»Alles was ich habe, ist ein Schwert und ein Krieg, den ich nicht gewinnen kann, aber ich kann doch nicht aufhören zu kämpfen«. (S.818)

Zum Inhalt:

Viele tausend Jahre sind bereits vergangen. „Das Rad der Zeit dreht sich, Zeitalter kommen und gehen und hinterlassen Erinnerungen, die zu Legenden werden.“ (S.42). Rand al’Thor lebt mit seinem Vater als Schafzüchter in einem Gebiet genannt „Zwei Flüsse“, dem Reich Andor unterstellt. Ein von der Zeit und den politischen Wirren der großen Reiche beinahe vergessenes ländliches Gebiet in dem das Frühjahrsfest und die Händler, welche aller paar Monde vorbeikommen, schon das Höchste an aufregender Zerstreuung darstellen. Rand und seine Freunde Mat, Perrin und Egwene freuen sich auch in diesem Jahr auf Bel Tine, das Frühlingsfest, obwohl vieles nicht mehr so ist wie es sein sollte: die Saat will nur zögerlich aufgehen, die Temperaturen sind viel zu nieder, der Wind schneidend und selbst das Gras am Dorfanger kann nicht einmal eine einzige Kuh durchbringen. Auch der fahrende Händler ist heuer spät dran. Doch das Auftauchen eines Gauklers, genannt Thom Merrilin, entschädigt für vieles an Ungemach. Beunruhigend, wenn auch vorerst wenig beachtet, ist das lauernd agressive Verhalten der Wölfe, ebenso wie jenes der unzähligen Raben, die beide näher an die Gehöfte, näher an die Schafherden kommen als früher. In der Dorfschenke von Emondsfelde, dem Heimatdorf Rands, macht dann auch noch Moiraine, eine Aes Sedai, und ihr Behüter Lan al’Lan Mandragoran Rast.
Eine Aes Sedai, eine jener polarisierenden Figuren aus den Legenden, die in den Zwei Flüssen den Kindern erzählt werden und, als wäre das nicht genug, kommen zur selben Zeit mordende und plündernde Trollocs mit ihrem Herrn einem Myrdraal, ein einziges Ziel verfolgend: sie wollen die drei Jungen Rand, Mat und Perrin in ihre Gewalt bekommen. Moirain und Lan gelingt es die hoffnungslos überforderten Burschen zur Flucht zu bewegen. Einer Flucht deren Ziel Tar Valon, das Zentrum der Macht der Aes Sedai, ist. Der Dunkle König, in dessen Auftrag die Myrdraals handeln, bietet alles auf, was er an Schergen mobilisieren kann, um der jungen Männer habhaft zu werden. Diesen wiederum wird mehr und mehr bewusst, dass die Welt wie sie sie bisher kannten erschreckend größer und gefährlicher ist, als geglaubt, dass das Rad der Zeit auch mit ihren Lebensfäden webt. Rand wird immer öfter schmerzlich klar,“dass für ihn nichts mehr so sein würde wie früher, wenn er nach Hause käme. Falls das jemals geschieht.“ (S.572) Die gefährliche Reise verändert sie, ihre Sicht der Äonen währenden Geschichte, der schillernden Legenden, der widerstreitenden Machtgruppen. Sie lernen Orte und Wesen kennen, von denen sie nicht zur träumen wagten, sie wären real – im positiven wie negativen Sinne.
Rand und seine Begleiter finden aber auch Freunde unter Menschen – und nicht nur dort – die dem Gewebe der Zeit Farbe und Struktur zu verleihen mögen, wie es selbst die Aes Sedai nicht vorherzusehen wissen. Mehr als einmal bewahrheitet sich das Wort des Seherin Nynaeve: „Es ist gleich, wer gewinnt, der Wolf oder der Bär – das Kaninchen ist immer der Verlierer.“ (S.288)

Fazit:

Mit 14 umfangreichen Bänden hat Robert Jordan ein Fantasy-Epos geschaffen, an das man als Leser nicht ohne gewissen Respekt herangeht. Zum einen schon allein wegen des Umfangs, zum anderen da sich um dieses Werk beinahe ebenso viele Geschichten ranken, wie um Tolkiens „Herrn der Ringe„. Ein Vergleich, den auch die New York Times anstellt, wenn dort geschrieben wird: »Robert Jordan ist der legitime Herrscher über eine Welt, die J.R.R. Tolkien einst entdeckte.« Wer Tolkiens Geschichten gelesen hat, wird im „Rad der Zeit“ sehr viele und sehr auffällige Parallelen entdecken. Man kann dies nun als Negativum sehen, nach dem Motto „nichts Neues“ oder man lässt sich auf die narrative Weltengestaltung Jordans ein. Zweiteres wird man nicht bereuen 🙂 . Bereits der erste Band ist in mehrfacher Hinsicht imposant. Zum einen ist es der Umfang von 894 Seiten, zum anderen die Komplexität der entworfenen Bühne auf der Robert Jordan seine Charaktere agieren lässt. Besonders fällt dabei die bedachte, ja beinahe behäbige Art der Handlungsentwicklung auf, die dem Leser viel Zeit lässt die detailliert herausgearbeiteten Akteure kennenzulernen, ebenso wie deren gesellschaftliches Umfeld. Ob es nun die vielfach verwobene Mythologie, die oft undurchsichtige Politik, die Wirtschaft oder einfach die vielgestaltige Landschaft ist, nichts scheint so nebensächlich, als dass es nicht gebührend beschrieben würde. Und dies auf eine derart angenehm fließende Art und Weise, die nie Langeweile oder gar Überdruss beim Leser aufkommen ließe Es ist ganz im Gegenteil das Verfliegen der Zeit, das einem bewusst wird, wenn wieder ein Kapitel oder gar das Buch zu Ende ist und man sich unbändig auf den nächsten Teil der literarischen Reise freut.

Zum Buch:

Mit der Reihe „Das Rad der Zeit – Das Original“ hat der Piper-Verlag eine wunderschön gestaltete Sammlung an Büchern herausgegeben, die hohen bibliophilen Ansprüchen im Bereich der klebegebundenen Paperbackbände genügen. (Eine Äquivalenzliste der Ausgaben findet man unter diesem Link). Trotz des Umfangs von knapp 900 Seiten lässt sich der Band 1 sehr gut handhaben, was nicht zuletzt seiner ausgezeichneten Verleimung zu verdanken ist. Der Seitenbedruckstoff ist angenehm fest und griffig. Der Druck ist bis auf marginale Ausnahmen (siehe hier) sehr sauber ausgeführt, bis hin zu der von Ellisa Mitchel gestalteten Karte auf den letzten Seiten. Typografisch hält man sich zurück, lässt den Text inhaltlich wirken und unterstreicht nur dezent die grobtextuelle Gliederung in 56 Kapitel. Besonders sticht der kartonierte Umschlag mit seinem Metallic-Effekt, sowie dem Prägedruck im Bereich des Autorenschriftzuges ins Auge, wobei der gesamte künstlerische Entwurf den Grundtenor der Erzählung einzufangen versucht. Ein in jeder Hinsicht handwerklich sehr schön gestaltetes Buch auf einem für Paperbacks sehr hohem Niveau.

Buchdaten:

  • Titel: „Das Rad der Zeit 1 – Die Suche nach dem Auge der Welt“
  • Autor: Robert Jordan
  • Umfang: 894 Seiten
  • Verlag: Piper, Auflage: 4 (2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-492-70081-8
  • Größe: 21,5 x 13,5 x 4,9 cm

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Völkerwanderung – Rezension zu „Die Hyperseuche“ Bd. 69 der Silberedition Perry Rhodan

Januar 28th, 2017

"Die Hyperseuche" - Perry Rhodan Silberband 69„Mißverständnis war der Vater aller Kriege, aber der Krieg war nicht Vater aller Dinge.“ (S.36)

Zum Inhalt:

Mit der Rückkehr Rhodans und seiner Crew aus dem Paralleluniversum gelangt auch ein „blinder Passagier“ mit in die heimatliche Galaxis. Ein Virus, der zu seiner Ausbreitung Geräte benutzt, die auf fünfdimensionaler Basis arbeiten – und so gut wie jedes Gerät in der galaktischen Raumfahrt oder einer anderen höheren Technologie ist dadurch betroffen. Dieser Virus löst die PAD, die Psychosomatische Abstraktionsdeformation aus, ein Krankheitbild das je nach Zivilisation und Grad des Vortschreitens anders zu Tage tritt: in der ersten Phase beginnen die Befallenen ganz unterschiedlichen Tätigkeiten mit bis dahin ungeahntem Enthusiasmus nachzugehen. In Phase zwei beginnt eine alles Dimensionen sprengende Wanderungswelle der Terraner zu ihrer Heimatwelt, die diesem Ansturm nicht gewachsen ist. Wobei andere Völker, wie z.B. die Haluter oder die Akonen ihren kriegerischen Urinstinkt unkontrolliert auszuleben beginnen. So brechen bisher friedlich lebende Nachbarn Kriege vom Zaun die zuvor undenkbar gewesen wären. In der dritten Phase befällt die Betroffenen eine Lethargie, die es ihnen unmöglich macht, auch nur die basalsten Überlebenstriebe wie z.B. Essen, Schlafen etc. zu befriediegen. Die Konsequenz ist der Tod. „Die Seuche lag wie ein Leichentuch über Monden und Planeten, über Raumschiffen und Städten.“ (S.275)
Die einzige Abhilfe für dieses Dilemma scheint es zu sein, dass Rhodan sich den Ereignissen im  Paralleluniversum erneut stellt um die Zeitlinie zu verändern und so den todbringenden Entwicklungen keine Chance zu geben. Erneut steht er vor der Herausforderung, sich seinem Alter Ego zu stellen…

Fazit:

Leider, so muss ich festhalten, hat sich die Geschichte nicht zum positiven mausern können, und meine Meinung zum Band 68 findet sich in diesem Band betätigt. Die Erzählung ist dünn, es fehlt das Feuer, das Perry Rhodan Storys eigentlich ausmacht und seinen wir ehrlich: das Thema Zeitreisen um dann die Gegenwart resp. Zukunft zu verändern, ist nun auch nicht grade „neu“. Es erscheint eher, als haben sich die Autoren in eine Sackgasse geschrieben und müssten diese mit einer Zeitmaschine verlassen. Ich hoffe nur die nächsten Bände werden besser…
Als kleines Goodie habe ich die Notizen, die ich mir während des Lesens gemacht hatte als grafische Inhaltsangabe wieder im folgenden Link hinterlegt Grafische Inhaltsangabe Bd. 69.

Zum Buch:

Für die künstlerische Gestaltung des Covers firmiert in Band 69 der Silberedition Johnny Bruck. Die Innendeckel des ausgezeichnet verarbeiteten Buches zieren wieder Risszeichnungen und deren beschreibende Texte. Drucktechnisch ist der Band sauberer und besser geraten als sein Vorgänger. Unterm Strich ein Buch das die Silberbände wieder bereichert.

Buchdaten:

  • Titel: „Die Hyperseuche“
  • Umfang: 396 Seiten
  • Verlag: VPM Verlagsunion Pabel Moewig KG
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3-8118-2089-3
  • Größe: 19,7 x 13,2 x 4,2 cm

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Schräge Träume -Rezension zu „Die träumenden Knaben“ von Oskar Kokoschka

Januar 21st, 2017

Einbandbild zu "Die träumenden Knaben" von Oskar Kokoschka aus dem Insel-Verlag„… und wieder fiel ich hin und träumte“ (S.33)

Zum Inhalt:

Im Band 1170 der Insel-Bücherei findet der Leser Oskar Kokoschkas Erstlingsdichtung „Die träumenden Knaben“, entstanden 1907/08 mit einer Widmung an Gustav Klimt. Der anschließende, ebenfalls in diesem Buch enthaltene Text „Der weiße Tiertöter“ , entstand 1908 und wurde erstmals 1918 in der Zeitschrift »Das Kunstblatt« publiziert.
Der Ausgangspunkt für das Werk war der Auftrag der „Wiener Werkstätte“ an den Maler und Grafiker ein Kinderbuch zu kreieren. In einer überaus bildhaften, teils sprunghaften und metaphernlastigen Poetik setzt sich Kokoschka mit Themen wie Jugendliebe, Fernweh, dem Beengt-Sein durch Gewohntes und der Ambivalenz des jungen Menschen zwischen Kindsein und Erwachsenwerden auseinander. Die DNB-Mediengeschichte schreibt dazu: „Die träumenden Knabenenthält einen Prolog und sieben Träume, die farbintensiven Lithografien kennzeichnen den Übergang vom Jugendstil zum Expressionismus. Das Buch gilt als der Beginn des Expressionismus in Wien. Es zählt heute zu den wichtigen illustrierten Werken des 20. Jahrhunderts.“ 1)

Fazit:

Man kann die Lyrik dieses Bandes nicht unbedingt als leicht verständlich bezeichnen, sie eröffnet dem Leser jedoch einen neuen Gesichtspunkt, einen streiflichthaften Einblick in das frühe Schaffen Oskar Kokoschkas. Aus meiner ganz persönlichen Sicht sind jedoch die malerischen Aspekte der Ausgabe die sehenswerteren und allein aus diesem Ansatz heraus kann das Buch jedem Kunstinteressierten empfohlen werden – zumal hier die acht Farblithografien und zwei schwarz-weiß Illustrationen nach den Originalen erstmals wieder veröffentlicht sind.

Zum Buch:

Als Kenner der Insel-Bücher Bände ist man ohnehin eine sehr hohe Qualität von buchbinderischer Handwerkskunst, Drucktechnik und Typografie gewohnt. Dieser Band setzt mit seinem matt gestrichenen alterungsbeständigem Bedruckstoff, einem ungemein akkuraten und farbkräftigen Druck, sowie eine sauberen Buchbindung noch eins drauf. Typografisch findet die schlichte Schrift Frutiger 55 Verwendung. Ein in sich sehr stimmiger Band der den hohen bibliophilen Ansprüchen der Reihe gerecht wird.

Buchdaten:

  • Titel: „Die träumenden Knaben“
  • Autor: Oskar Kokoschka
  • Umfang: 56 Seiten
  • Verlag: Insel Verlag Frankfurt am Main und Leipzig, 1996, EA
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-458-19170-4
  • Größe: 18,5 x 12,2 x 0,9 cm

1.) DNB-Mediengeschichte Quelle

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Lyrik einer Suchenden – Rezension zu „Gedichte“ von Gertrud von le Fort

Januar 14th, 2017

Umschlagbild "Gedichte" - Gertrud von le Fort„Wie traumhaft wird der Tag – wie taghaft sind die Träume!“ (S.10)

Zum Inhalt:

Auf den Seiten des 580. Bandes der Insel-Bibliothek kommt eine Lyrikerin zu Wort deren glaubensinhaltliche Sinnsuche sich in ihrem gesamten schriftstellerischen Schaffen kennzeichnend niederschlägt. So auch in dem vorliegenden Gedichtband, welcher in 7 lose textuelle Bündel über 40 Gedichte vereint. Intensivstes Streben nach christlich religiöser Klarheit, einer einenden Vision und die Auseinandersetzung mit den Schwächen, Ängsten und Herausforderungen der menschlichen Existenz in einer allzuoft hoffnungslos scheinenden Zeit – siehe den geschichtlichen Kontext zweier Weltkriege – ist der lyrische Nährboden dem die Texte entwachsen. Geprägt von kräftigen Bildern und einer feinen, über manche Strecken beinahe als filigran zu bezeichnenden Sprachführung begleitet dieser rote Faden den Leser durch die Lektüre des Buches.

„Mich ruft zuweilen eine Stille,
Die alles Tönen überschweigt.“ (S.74)

Fazit:

Gertrud von le Fort lehnt sich in ihrem lyrischen Werk u.a. an Hölderlin an, was ihre Werke entsprechende polariseren lässt, zumal noch die glaubensphilosophischen Implikationen hinzukommen, denen sich der Leser nicht von vorne herein verschließen sollte. Manches mal sind die Anspielungen auf zeitgeschichtliche Ereignisse, die die Autorin immer wieder zu ihrem Schaffen inspieriert haben, erst nach einer entsprechenden Recherche zu verstehen. Dies ist jedeoch auch einer der Gründe für die Lektüre ihrer Werke: die Auseinandersetzung mit Zeitgeist und dem Niederschlag desselben im Textuellen. Keine leichte Lektüre, aber auf jeden Fall einen Leseabstecher wert.

Zum Buch:

Der kleine Band des Insel-Verlages reiht sich unter seinesgleichen nahtlos ein. Fadenheftung, Druck und Bedruckstoff lassen keine Wünsche offen und geben den Texten einen gediegenen buchbinderischen, sowie typografischen Kontext. Nicht nur an den lyrisch interessierten, auch für den bibliophilen Leser gerichtet, so könnten man das Buch umschreiben.

Buchdaten:

  • Titel: „Gedichte“
  • Autor: Gertrud von le Fort
  • Umfang: 92 Seiten
  • Verlag: Insel Verlag zu Leipzig, 1958, 24.-33. Tausend
  • Sprache: Deutsch
  • Größe: 19,7 x 13,2 x 0,9 cm

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Ferne Nähe – Buchbesprechung für „Der Mann vom Anti“ – Hrsg. Ekkehard Redlin

Januar 7th, 2017

Coverbild "Der Mann vom Anti" - Ekkehard Redlin (Hrsg)„»Die Phantasie ist das dritte Auge des Menschen, es reicht bis in fernste Fernen. Wer weiß das schon? Die meisten sind blind auf diesem Auge. Völlig blind!«“ (S.135)

Zum Inhalt:

Die Kurzgeschichte ist schon per definitionem ein Genre welches erzählerische Dichte und Konzentration fordert. „Jeder Satz ein Gedanke, kein Wort darf entbehrlich sein.“ (Ekkehard Redlin, S.309) Auf ihre schriftstellerisch ganz individuelle Weise sind alle Autoren dieses Sammelbandes wahre Kapazunder auf diesem Gebiet, wie dies übrigens einige von ihnen auch in der Serie „Lichtjahr – Phantastik Almanach“ immer wieder mit einprägsamen Geschichten unter Beweis gestellt haben.
Was durch alle Geschichten, mögen sie stilistisch und inhaltlich auch noch so divergieren, weht, ist ein für die damalige Zeit ungemein frischer Wind, eine spürbare Aufbruchsstimmung, sowie ein neues, frühlinghaftes Selbstbewußtsein der Phantastik, dem die Freude der Autoren am spielerischen Erzählen sehr zupasskommt. Der Herausgeber schreibt in einer Art Nachwort, tituliert als „Experiment und Korrektur“: „Von der antiimperialistischen Anklage bis zur kommunistischen Ethik spannt sich in traditioneller Weise der Bogen der utopischen Literatur. Wie er aber auf eindrucksvolle Weise ausgeschritten, wie der Mensch zum Maß der Dinge gesetzt wird, ist neu.“ (S.309). Dieses Ausschreiten mit, wenn man so will unter zu Hilfe nahme schriftstellerisch unterschiedlichsten Schuhwerks, lässt für beinahe jeden Freund der SF etwas in diesem Band dabei sein.

Autoren und Kurzgeschichten in diesem SF-Band

Fazit:

Die Zusammenstellung an Texten der wissenschaftlich-phantastischen Literatur für die Ekkehard Redlin als Herausgeber firmiert wird durch eine zugrundeliegende gemeinsame Klammer vereint: „Es geht ausdrücklich und unverholen um menschliche Belange, und das ist ein großes Plus für die utopische Literatur.“ (S.309) Ein stetiges Suchen, ein Findungsprozess ist es, der sowohl für die einzelnen Autoren die hör-/lesbare Triebfeder hinter ihrem Schaffen, als auch für die SF Grosso modo stets einen sirenenhaften Widerhall erzeugt, welcher die immer wiederkehrende Fazination des Genres ausmacht. Zumal wenn die Geschichten von so klingenden Namen wie in diesem Band gewoben wurden. Jeder Autor bringt seinen individuellen Charme mit ein, sein erzählerisches Geschick und seine Sicht auf das für ihn Wichtige, denn „Literatur ist lebendig, solange sie das menschliche Leben neu zu entdecken und zu gestalten vermag.“ (S.308)

Zum Buch:

Für die Umschlaggestaltung des in der Reihe „SF-Utopia“ als Kurzgeschichtensammlung erschienen Bandes zeichnen erneut Regine Schulz und Burckhard Labowski verantwortlich, ebenso wie z.B. „Aëlita“ von Alexej Tolstoi treffend bildnerischen Ausdruck verleihen. Der Bedruckstoff ist, dem Buchtyp und der Zeit entsprechend recht grobfaserig, griffig und gut zu einem über 300 Seiten starken Buchblock verleimt. Die typografische Gestaltung ist zweckmäßig schlicht und unaufdringlich. Einige kleinere drucktechnische Lapsus stören nicht besonders, wenn sie auch auffallen.

Buchdaten:

  • Titel: „Der Mann vom Anti“
  • Herausgeber: Ekkehard Redlin
  • Umfang: 310 Seiten
  • Verlag: Verlag Neues Berlin
  • Sprache: Deutsch
  • Lizenz-Nr: 409-160/149/80 · LSV 7004
  • Größe: 10,7 x 17,6 x 1,5 cm

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Geradlinige Wendung – Buchbesprechung zu „Wendekreis des Krebses“ von Henry Miller

Januar 1st, 2017

Titelbild - "Wendekreis des Krebses" - Henry Miller„…denn die Tragödie unserer Welt besteht gerade darin, daß nichts mehr imstande ist, sie aus ihrer Lethargie aufzuscheuchen.“ (S.8)

Zum Inhalt:

Zusammen mit „Wendekreis des Steinbocks“ – erschienen 1939 – stellt der Roman „Wendekreis des Krebses“ ein autobiografisches Versatzstück im Schaffen Henry Millers dar. Der Text beschreibt die Suche Millers nach seinem ganz persönlichen künstlerischen Ich in einem moralisch als verrucht zu bezeichnenden Umfeld, das ihm jedoch keineswegs die enge Freundschaft seiner ebenfalls in Paris lebenden, ähnlich gesinnten Landsleute versagt, ja sie vielmehr sogar fördert. Obwohl die Begrifflichkeit der „Biografie“ eine logische zeitliche Abfolge unterstellen ließe, so wird der Leser diese hier vermissen – oder dies als erfrischend anders empfinden. Anaïs Nin bringt es in ihrem Vorwort von 1934 prägnant auf den Punkt: „Das Buch wird allein durch Fluß und Wechsel der Ereignisse auf seiner eigenen Achse gehalten. Gerade weil es keinen Mittelpunkt gibt, ist auch keine Rede von Heldentum oder Kampf, da auch keine Rede von Willen ist, sondern nur von Hingabe an das Strömen.“ (S.7). Millers Sinn dafür, einer pragmatischen Weltsicht eine gewisse, ihm eigene Art der Komik abzugewinnen, finden sich in mehr oder weniger subtilen Wendungen, Schilderungen seiner Wegbegleiter und -begleiterinnen, sowie in der nahezu fatalistischen, jedoch keinesfalls in Selbstmitleid sich suhlenden, Sicht der Vergänglichkeit von Leben, Liebe, Wertesystemen und politischen, moralischen und wirtschaftlichen Ansichten. Ein Buch über die Suche nach dem „Zustand des Mit-sich-selbst-einig-Seins“1).

Fazit:

Millers Text „schlug die entscheidende Bresche in eine Mauer von Heuchelei und Prüderie.“, so der Klappentext und es handelt sich dabei um den sozialverträglichen Hauch eines Beschreibungversuches, mit welch ausdrucksgewaltiger, brachialer Erzählgewalt der Autor mit Tabus bricht. Ein Leben auf der scharfen Schneide zwischen künstlerischer Freiheit, der Suche nach dem nächsten Essen, der Negation bourgeoiser Normen und Rituale, der kompromisslosen Verwirklichung eigener künstlerischer Vision und die Kollision all dieser menschlichen Eisberge im sozialen Malstrom des Paris nach der Jahrhundertwende. Als eine „exstatische Befreiung“1) von den einschränkenden Normen des New Yorks der zwanziger Jahre bezeichnet es Jörg Drews. Es ist kein geschliffen feines Changieren, vielmehr ein rüder Bruch, der in jedem Absatz erneut kristallisiert, den Leser oft vor den Kopf stößt, aber auch gleichzeitig nicht aus seinem Bann entlässt. Ein Buch das definitiv Lust auf mehr Henry Miller macht.

Zum Buch:

Der rororo-Verlag liefert mit dieser Ausgabe von Henry Millers Klassiker einen kompakten Taschenbuchrahmen in solider Verarbeitung, dessen griffiger Bedruckstoff in Kombination mit einer stabilen Verleimung einen sehr positiven haptischen Gesamteindruck hinterlässt. Gesetzt aus der Aldus® in sehr kleiner Type, wirkt der Text ausgesprochen kompakt, ja beinahe gedrängt, was sich überdies ausgezeichnet mit dem Inhalt verträgt. Generell werden typografische Akzente, wenn überhaupt, nur sehr verhalten eingesetzt, was jedoch keineswegs störend wirkt. Als einziger Minuspunkt wäre die Wahl des Bedruckmaterials, welches leicht zum Vergilben neigt, zu erwähnen.

Buchdaten:

  • Titel: „Wendekreis des Krebses“
  • Autor: Henry Miller
  • Umfang: 251 Seiten
  • Verlag: rororo; Auflage: 300.-309. Tausend Dezember 1993
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-4991-4361-8
  • Größe: 19 x 11,5 x 1,5 cm

1)  Kindlers Literatur Lexikon Bd.11, S. 703

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Seelenverwandt – Rezension zu „Dem Ozean so nah“ von Jessica Koch

Dezember 4th, 2016

Titelbild "Dem Ozean so nah" - Jessica Koch„»In guten Zeiten Händchen halten ist einfach. In schlechten Zeiten nicht loszulassen, darauf kommt es an.«“ (Pos.4161)

Zum Inhalt:

Danny, wissend um die wesentlich absehbarere Endlichkeit seines Lebens, findet in Christina eine jener seltenen Personen im Leben eines Menschen, die man als seelenverwandt erkennt. Dabei könnten sie, zumindest den äußeren Umständen nach, nicht unterschiedlicher sein: er, offensichtlich erfolgreich, gesellschaftlich integriert – soweit er dies selbst zulässt – , sportlich und ohne Geldsorgen. Sie aus dem Milieu des Straßenstrichs kommend, stets auf der Suche nach dem nächsten Drogenflash. Danny sieht in Christina jedoch mehr. Sein feines inneres Gespür lässt ihn erahnen, was diese junge Frau derart derangiert hat, was sie aus der Bahn warf. Mehr und mehr entdecken die beiden, dass ihre Geschichten und somit ihr tiefes Verständnis und ihr Respekt füreinander auf ähnliche Quellen seelischen Leides zurückgeht. Quellen, die sie trotz unzähliger Versuche nicht versiegen lassen, deren Fluten sie aber gemeinsam trotzen können. Eine sehr spezielle symbiotische Gemeinschaft entwickelt sich für die beiden. Die vielen einzigartigen  Höhen, abgrundtiefen Täler und die wenigen kostbaren glücklichen Momente schweißen beide zusammen. Diese in jeder Hinsicht unbedingte Tragfähigkeit einer wertschätzenden Akzeptanz des jeweils anderen, ohne ihn deshalb mit Samthandschuhen anzufassen, lässt Außenstehende oft verständnislos, jedoch oft auch beinahe neidisch den Kopf schütteln. Einer ist dabei des anderen Anker in einem beängstigend weiten Ozean.

Fazit:

Im dritten und abschließenden Teil der Trilogie um Danny bleibt Jessica Koch ihrem authentisch frischen Schreibstil treu, entwickelt jedoch Erzählstil, sowie die Fertigkeit mit Bildhaftigkeiten zu arbeiten weiter. Sie versteht es die verworrene Tragik, die herben Rückschläge, die schicksalshafte Einzigartigkeit einer Beziehung zweier Menschen herauszuarbeiten, deren Überlebensstrategie in sysiphosgleichem Bemühen besteht, die auseinanderdriftenden Splitter ihrer Seelen in dem Puzzle ihres ureigensten Menschseins wieder zu vereinen. Der Text atmet mit jedem Satz Authentizität und den drängenden Wunsch den Fokus auf die dunklen Ecken in unserer Gesellschaft zu legen, in deren Untiefen gebrochene Schicksale wie jene von Christina und Danny ihren Ursprung nehmen. Unmissverständlich klingt somit auch die Aufforderung mit hin und nicht weg zu sehen. Eine Aufforderung, die wir nicht an Sozialarbeiter, Jugendpsychologen, Streetworker oder wen auch sonst immer abgeben können und dürfen. Mit dem Text dessen Schwerpunkt die in spezieller Weise innige Beziehung von Danny und Christina darlegt, verwebt die Autorin einige der aus den Vorgängerbänden noch offenen Fäden, wobei es sich – aus meiner Sicht – empfiehlt die Bücher in der Erscheinungsreihenfolge zu lesen. Und sie zu lesen ist mehr als nur lohnenswert!

Buchdaten:

  • Titel: „Dem Ozean so nah“
  • Autor: Jessica Koch
  • Ausgabe: Kindle Edition (356 Seiten Print)
  • Verlag: FeuerWerke Verlag (29. November 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B01N9BZF8X
  • Dateigröße: 1570 kB

(1) Alle Angaben, sowohl Seiten-/Positionsnummern, wie auch technische Details, beziehen sich auf die Kindle-Ausgabe des Rezensionsexemplares

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Sinn-Bildlich – Rezension zu „Fotos sehen, verstehen, gestalten“ von Martin Schuster

Dezember 3rd, 2016

Umschlagbild - "Fotos sehen, verstehen, gestalten" von Martin Schuster„Die Fotografie »demokratisiert« das visuelle Wissen von der Welt.“ (S.175)

Zum Inhalt:

Bereits im ersten Kapitel macht Martin Schuster klar, worum es ihm bei der Betrachtung – im wahrsten Sinne des Wortes – der Thematik des fotografischen Bildes geht: um Fotopsychologie. Er steckt das Feld anfangs historisch-gesellschaftlich ab, wobei er technisches nur insofern streift, als dass es für das Verständnis seiner Argumentationsketten notwendig erscheint. Der Frage inwiefern Fotografie ein weibliches oder männliches Hobby darstellt, geht er in einem eigenen Unterkapitel nach.
Besonders ausführlich wird der Bereich Fotografie und (deren) Wahrnehmung bearbeitet. Fragen sind hierbei u.a., wie läuft visuelle Wahrnehmung ab und wie hat die Fotografie diese in der Historie verändert / beeinflusst, wie verhält es sich mit der Begrifflichkeit der Ästhetik in Bildern und Fotos, welche unterschiedlichen Anforderungen stellte und stellt die Fotografie an die Wahrnehmung, sowohl physiologisch, als auch psychologisch?
Darauf aufbauend extrapoliert der Autor in welchem Maße die Fotografie Erinnerung prägt (Stichwort: retrival cue), wie Basales unseres Wesens geleitet wird und welchen Ansatz die moderne Fototherapie im Rahmen der praktischen Anwendung dieser Erkenntnisse verfolgen kann. Neben den persönlich fokusierten Schauplätzen, wie z.B. jenem der Porträtfotografie, deckt der Text auch interessante Zusammenhänge und Hintergründe in puncto Presse, Werbung, Propaganda, oder – allgemein formuliert – der überindividuellen Rückwirkung der fotografischen Bilderflut auf.
Den Abschluss des Buches bilden 2 fotopsychologisch orientierte Interviews, sowie ein ausführlicher, weiterführender Literaturnachweis.

Fazit:

Der Text stammt in seiner 2. Auflage aus dem Jahr 2005 und ist, was die (digital)fotografische Technik angeht nicht mehr ganz aktuell. Dies stört jedoch nicht im geringsten, sondern hat eher den positiven Effekt, dass sich der Leser einfacher auf die wesentlichen Kerninhalte zu konzentrieren vermag: wie sehen wir Fotos, welche Werkzeuge des Verstehens kann man sich erarbeiten, wie werden eben diese Erkenntnisse in die Gestaltung von Bildern miteinbezogen. Gleichermaßen für Fotografierende, wie Betrachtende finden sich profund dokumentierte und recherchierte Zusammenhänge anschaulich und solide dargelegt. Verstreut im Text finden sich immer wieder sogenannte Fotopraktika in denen der Leser Aufgaben gestellt bekommt, anhand derer er die Theorie meist ohne großen Aufwand, aber mit interessanten Aha-Effekten in die Praxis umsetzen und somit festigen kann. Rückblickend und in Lichte von Medien wie Instagram, Facebook u.ä. welche in hohem Maße von Fotos und deren Wirkung leben stellt das Buch einen hochinteressanten und lesenswerten Einsteig in die Thematik dar.

 

Buchdaten:

  • Titel: „Fotos sehen, verstehen, gestalten“
  • Autor: Martin Schuster
  • Umfang: 263 Seiten
  • Verlag: Springer Verlag; 2. Auflage 2005
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3-5402-1929-3
  • ISBN-13: 978-3-5402-1929-3

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