Nicht stimmig – Rezension zu „Green Net“ von Wilfried von Manstein

März 25th, 2017

Einbandbild "Green Net" - Wilfried von Manstein

„Als Lebewesen sind wir alle gleich. Nichts ist schlecht in der Natur.“ (S.41)

Zum Inhalt:

Wilfried von Manstein entwirft in seinem Buch ein Szenario, in welchem Pflanzen, verbunden über ein globales Netzwerk – genannt „grünes Internet“ (S.39) – aus Wurzeln, Botenstoffen, sowie auch tierischen Helfern versuchen, das Joch der menschlichen Unterdrückung abzuschütteln. Mittels eines Apparates, genannt Zeiter, gelingt es zum einen Menschen zu verlangsamen und Pflanzen zu beschleunigen, womit auch erst die potentielle Möglichkeit für die floralen Marodeure entsteht, sich ernsthaft gegen die als Krankheit empfundene Menschheit zur Wehr zu setzen. Dreh- und Angelpunkt sind dabei v.a. die beiden Charaktere Mario und Rado, deren Eltern dem Pflanzenaufstand bzw. dessen Vorläufern als eine der ersten zum Opfer fallen und für deren Rettung die beiden Jugendlichen Himmel und Hölle – teils im wahrsten Sinne des Wortes – in Bewegung setzen. In einer aus den Angeln gehobenen Welt, mit mystischen Wesen, von Zeitreisen, KIs und Robotern, sprechender Vegetation und durchaus menschlich agierender Fauna kämpfen sie sich mit nur einer Hand voll Verbündeter ihrem Ziel entgegen: der Genesung ihrer Eltern und des Planeten…

Fazit:

Die Idee hinter dem Text von Wilfried von Manstein, sowie die Aufmachung des Buches und der Teaser hatten mein Interesse an der Geschichte geweckt. Anfangs durchaus spannend geschrieben, wenn auch teils arg konstruiert, driftete die Story allerdings rasch in eine „böse Menscheit vs. gute Natur“-Platitüde ab, die mit fortschreitender Seitenanzahl immer abstruser wird. Abgesehen von flachen Charakteren – sowohl auf Seiten der Menschen, wie auch der der Pflanzen und Tiere – stören logische Brüche und völlig irrationale Zahlenspiele. So z.B. heißt es „In Schulen, Turnhallen und Gemeindezentren sterben die Menschen, Hunderttausende in jeder Sekunde.“ (S.150)  Das geht sich auch mit viel Fantasie nicht lange ohne eine komplette Entvölkerung der gesamten Welt aus, v.a. nicht so lange wie die Geschichte daneben weiterspielt.
Mit Zeitangaben wird ohnehin recht salopp umgegangen, da können schon mal Wochen oder Monate vergehen, was weder die Geschichte sonderlich weiter bringt, noch dramaturgisch zieht und auch das Verhalten der Akteure kann man dabei nicht wirklich als in sich stimmig bezeichnen. Da helfen auch Epizykeltheorien zu Zeitreisen wenig weiter!
Insgesamt erweckt die Geschichte für mich den unstimmigen Eindruck als hätte man nordische Mythologie, SciFi- und Fantasy-Versatzstücke, garniert mit einem arrg antropomorphen Naturbild in einen Mixer geworfen und erwartet, es käme dabei eine in sich stimmige homogene Storyline heraus. Die durchaus vorhandenen guten Ansätze wurden aus meiner Sicht zu wenig genutzt.
Einen grobtextuell sehr störenden Fauxpas stellen für mich die 75(!) Kapitel auf 406 Seiten dar. Hier gilt definitiv: weniger ist mehr.

Zum Buch:

Der Band aus dem Verlag M. Boerner besticht optisch durch sehr schön gestaltete, feste Buchdeckel, die eine gewisse athmosphärische Wiedergabe des Textes resp. eine Einstimmung darauf versuchen. Der Bedruckstoff ist zum einen angenehm glatt, aber dennoch griffig, was dem Buch zusätzlich eine hochwertige Haptik verleiht. Ausgezeichnet ist auch die Fadenheftung realisiert und das Lesebändchen rundet den buchbinderisch sehr wertigen Eindruck noch einmal positiv ab. Typografisch wurde auf eine etwas größere Schrift und eine klare Strukturierung gesetzt. Einziges Manko in diesem Zusammenanhang ist ein Druckfehler, der sich allerdings bis zum Ende über die Druckbögen durchzieht (Beispiel siehe hier).

Buchdaten:

  • Titel: „Green Net“
  • Autor: Wilfried von Manstein
  • Umfang: 412 Seiten
  • Verlag: Verlag M. Boerner (2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-9424-9820-3
  • Größe: 21,6 x 14 x 2,9 cm

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Wesenszüge – Rezension zu „Chimären“ – Alexander Kröger

März 18th, 2017

Coverbild "Chimären" - Alexander Kröger„Genau wie ich wissen Sie, dass ethische und moralische Erwägungen in der Menschheitsgeschichte niemals eine entscheidende Rolle gespielt haben, wenn Wissen, Profitstreben und Kapital zusammentrafen.“ (S.11)

Zum Inhalt:

Dem Forscherteam rund um Dr. Lehmann und Master Shirley Lindsey gelingt ein medizinisch-biologischer Durchbruch. Nachdem man die Probleme mit Immunabwehr, dem Transfer von Genen- und Gengruppen innerartlich in den Griff bekommen hatte, wurde der logische nächste Schritt gewagt: das Sprengen von Artgrenzen. Zuerst an Tieren zur Perfektion getrieben, setzt sich Lehmann mit seinen Mitarbeitern über die zaghaften ethischen Bedenken hinweg und beginnt mit Hund-Mensch-Hybriden zu experimentieren. Die Tests verlaufen mehr als nur erfolgreich! So erfolgreich, dass sich die Mitglieder des Forscherteams unversehens mit zentralen Fragen eines regen Verstandes konfrontiert sehen, der weit über seinen ursprünglichen „Zweck“ hinaus, (s)einen Platz im Leben sucht – abseits bloßer Existenz. Gelingt es dem Schöpfer seinem Geschöpf die Frage nach dessen Platz in einer Welt zu beantworten, die mit der bloßen Existenz eben dieser Schöpfung in jedweder Hinsicht überfordert zu sein scheint?

Fazit:

Dr. Helmut Routschek, alias Alexander Kröger, kreiert mit „Chimären“ einen inhaltlich wie erzählerisch sehr dichten Text, dessen zentrale Thematik aktueller nicht sein könnte. Speziesübergreifende Genexperimente werfen nicht nur Fragen der reinen technisch-naturwissenschaftlichen Machbarkeit auf. Sie changieren auch nicht nur zwischen den Polen von rein edler medizinscher Hilfestellung und kalter betriebswirtschaftlicher Kosten-Nutzenrechnung. Vielmehr kommen Fragen der Ethik, der moralischen Verantwortlichkeiten und der Grenzziehungen zwischen dem Dürfen/Sollen und der Machbarkeit auf. Einen denkmöglichen Ansatz zeigt „Chimären“ auf, gespickt mit der zusätzlichen Implikation des „Selbst-Verständnisses“ der Geschöpfe des Homo faber. Wie viel des Schöpfers widerspiegelt sein Geschöpf? Und wenn das Geschöpf nach dem Sinn seiner Existenz, seiner Daseins-Berechtigung, seiner Zukunft fragt, welche Antworten hat eine Gesellschaft, die (kreiertes) Leben als Ding, als primär-wirtschaftliche Ressource sieht?
Die einfühlsame, beinahe liebvoll-empathische Schilderungen des heranwachsenden Ichs der Chimären im Roman stellt aus meiner Sicht einen der Höhepunkte des Textes dar, die den Autor weit abseits jedweder monokausalistischer Polemik einordnet.

Zum Buch:

Mit dem Band 20 der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) liefert der Solar-X Verlag ein solides Paperback-Buch. Sowohl der feste, abwischbare Einband, als auch der griffige Seitenbedruckstoff hinterlassen, ebenso wie die stabile Verleimung, einen angenehmen haptischen Eindruck. Typografisch ist der Text schlicht gehalten, mit hoher Wertlegung auf gute Lesbarkeit. Drucktechnisch gibt man sich keine Blöße, sowohl was den Text als auch den Umschlag betrifft. Für die bildnerische Gestaltung firmiert Klaus Brandt, welcher auch eine entsprechende Webpräsenz für die AKW eingerichtet hat . „Der langjährige Lektor und Partner des Autors, Wilko Müller jr., plant als Herausgaber in der Edition Solar X eine komplett neue Alexander Kröger Werkausgabe mit 20 ausgewählten Werken.“ 1) D.h. man kann sich als Liebhaber klassisch hochwertiger SF auf weitere Texte aus der Feder Krögers im Rahmen dieser Werkausgaben freuen.

Buchdaten:

  • Titel: „Chimären“
  • Autor: Alexander Kröger
  • Umfang: 176 Seiten
  • Verlag: Edition Solar-X (2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-945713-30-3
  • Größe: 19,5 x 13,8 x 1,3 cm

 

Quellen:
1.) Internetpräsenz Alexander Kröger

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Über Wahrheit und Lüge – Rezension zu „Der Wille zum Schein“ – Philosophicum Lech (Hrsg. Konrad Paul Liesmann)

März 11th, 2017

Titelbild "Der Wille zum Schein" Philosophicum Lech - Hrsg. Konrad Paul Liesmann„Das Lügen ist nicht grundsätzlich schlecht, sondern eine moralisch neutrale Fähigkeit, die schlechten Absichten dienen, die aber auch im Dienste guter und gerechtfertigter Absichten stehen kann.“ (S.36)

Zum Inhalt:

Nicht nur die Philosophie, vielmehr der Mensch als kulturelles Wesen per se changiert in dem emotional, moralisch geladenen Mienenfeld zwischen der Wahrheit und der Lüge. Nur allzuoft machen wir es uns dabei einfach, bemühen (Vor-)Urteile, gehen ausgetretene Denk-Wege, übernehmen vorbehaltlos Traditionen, scheinbar bewährte Meinungen, allgemein akzeptierte Ansichten, ohne hie und da stehen zu bleiben, einen Gang herunterzuschalten, uns bewusst die Zeit nehmend, über eine Dialektik zu reflektieren, die so selbstverständlich nicht ist.
Ist Wahrheit stets gut und Lüge durchgehend schlecht? Wie verhält sich das Wertesystem von Religion, Philosophie und Moral in Hinblick auf das Leben in realiter? Kann es lohnend sein, Lüge wider unseren ersten moralisch geeichten Impuls als ein Positivum anzusehen, welches an sich wertneutral ist und erst als Werkzeug in einer spezifischen Situation seinen Wert unter Beweis stellen kann / muss?
Diesen ebenso vertrackten wie spannenden Fragen gehen die 11 unterschiedlichen Beiträge des 8. Philosophicums Lech nach. Der Leser findet viele in sich schlüssige Denkgebäude, die jeweils einen sehr spezifischen Blickpunkt im Kontext des Autors ausbreiten. Dabei werden Gebiete wie Politik, Pädagogik, Theologie und Erkenntnistheorie ebenso erfasst, wie jenes heikle Thema des Journalismus, respektive der Berichterstattung und der wissenschaftlichen Wissensfindung. In Zeiten in denen Georges Orwells Buch „1984“ die Verkaufsränge erneut stürmt und die offiziellen Vertreter von Supermächten von „alternativen Fakten“ sprechen, stellt das Thema dieses Bandes an Aktualität vieles andere in den Schatten.

Enthaltene Texte:

Der Wille zum Schein (Konrad Paul Liessmann)
Über Wahrheit und Lüge

Über Wahrheit und Lüge im moralischen Sinn (Simone Dietz)

Die Beliebigkeit von Wahrheit und Irrtum. (Josef Mitterer)
Mit einem Exkurs zu Wahr- & Falschnehmung

Gemeinheit und Gemeinsinn (Georg Kohler)
Warum Machiavelli manchmal Recht hat. Über Lüge und Wahrheit in der Politik

Warum lügen und was wissen die Dichter? (Jochen Hörisch)

Die Lüge als ursprüngliche Endlichkeit von Norm und Autorität oder der Beginn der Poetik (Jürgen Partenheimer)
Ein Fragment

Nichts als die Wahrheit… ?! (Ulrike Felt)
Betrug und Fälschung in der Wissenschaft

Bildungslügen (Alfred Schirlbauer)
Über pädagogische Illusionen

Das Unglaubliche (Robert Pfaller)
Über Illusionen, Lust und Kultur

Wahrheit und Lüge – Eine Bewertung aus jüdischer Sicht (Walter Homolka)

Fazit:

Provokant im überaus positiven Sinne; so könnte man pointiert den Text für den Konrad Paul Liessmann als Herausgeber firmiert bezeichnen. Die Referenten des Philosophicums Lech stellen einmal mehr unter Beweis, das Philosophie keineswegs eine Beschäftigung für weltfremd vergeistigte Akademikerrandgruppen sein muss. Sie kann – und muss – sich ihrer gesellschaftlichen Aufgabe stellen, alternative, bereichernde Denkformen aufzeigen, Wege abseits der „Das-tut-Mann-so-oder-so“-Lösungen anbieten, durchaus nicht ungefährliche Denkmuster durchbrechen und aufrütteln. Das sind auch die Herausforderungen denen sich die Beitragenden stellen, Denkschemata aufzeigend, welche ein hohes Maß an Reflexion und Flexibilität vom Leser einfordern. Der Lohn ist eine wesentlich freiere, erweiterte Sicht auf die Vielfalt an Denkmöglichem, das uns intellektuelle Werkzeuge für den Alltag zur Verfügung stellt.

Zum Buch:

Optisch und haptisch ist dieser 8. Band des „Philosophicum Lech“ bis auf das Titelbild ident mit dem Vorgängerband „Ruhm, Tod und Unsterblichkeit“. Positiv kann man jedoch anmerken, dass die Verleimung dieses Mal wesentlich besser ausgefallen ist, was der Stabilität des Buchblockes zu gute kommt. Die typografische Gestaltung überzeugt durch strukturierte Klarheit, die künstlerische Umschlagsgestaltung durch Offenheit in Form und Farbwahl. Ein sehr schöner und ansprechend gestalteter Band.

Buchdaten:

  • Titel: „Der Wille zum Schein“
  • Autor: Konrad Paul Liesmann (Hrsg.)
  • Umfang: 256 Seiten
  • Verlag: Paul Zsolnay Verlag, Wien 2005
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3-552-05339-5
  • Größe: 25,0 x 12,7 x 1,7 cm

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Ein Leben in Aphorismen – Rezension zu „Franzi Berbikopf all-inklusive“ von Sigrid Kleinsorge

März 3rd, 2017

Titelbild "Franzi Berbikopf all-inclusive" - Sigrid Kleinsorge„Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen und gegebenen und überlieferten Umständen.“ (Pos. 533)

Zum Inhalt:

Unfassbar! Sie hat wirklich das erste mal in ihrem Leben etwas gewonnen. Und auch das nur, weil ihre beste Freundin die Triebfeder war bei einem Preisausschreiben mitzumachen. So steht Franzi Berbikopf nach dem ersten Flugabenteuer mit beiden Beinen – wenn auch etwas wackelig vor Aufregung – auf dem Boden Lanzarotes. Herauskatapultiert in eine gänzlich andere Kultur, ein so tiefgreifend anderes Lebensgefühl, versucht sie ihren Lebenskompass an den neuen Erfahrungen auszurichten – oder etwa auch umgekehrt. Die überwältigenden Eindrücke versetzen sie zum einen stets erneut in Staunen, zum anderen rütteln sie an bisher ehernen Säulen ihrer Weltanschauung und Lebensauffassung. Ein Leben zum größten Teil geprägt von Fremdbestimmtheit, mit der rechtfertigenden Patina stets parater Weisheiten in Lied oder Versform, oder jenen „Geflügelten Worten“, die bereits der Büchmann zu sammeln verstand. Unter den zahlreichen Begegnungen während ihres Inselaufenthaltes ist der ihr auf Anhieb sympatische Achmed jene, die am ehesten das Potential birgt, Franzis Lebensgeister zu einer bis dahin nicht gekannten Selbstbestimmtheit aufzubauen.

Fazit:

Beinahe ausgestanzt aus dem alltäglichen Leben wirken die irisierenden Tage Franzis auf Lanzarote. Ein fast euphorischer Ausnahmezustand, dem sich Franzi in Grenzen hinzugeben vermag, wäre da nicht ihre Lebensgeschichte. Eine Geschichte deren Eckpfeiler, deren Leuchttürme ein Aphorismenschatz bildet, überliefert nicht zuletzt von ihrer Mutter. Und wenn ihr dieser Schatz schon über die schwierigsten Zeiten hinweg half, so wird er dies – so Franzis felsenfeste Überzeugung – auch in den guten verlässlich tun, denn  „die [Franzi] war automatisch in die Fußstapfen der Mutter getreten, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm…“ (Pos. 1132). Sigrid Kleinsorge gelingt es in diesem feinfühligen, jeodch nicht beschönigenden Text erneut, einen Lebensfaden aus dem gesellschaftlichen Gewebe zu heben, ihn dem Leser näher zu bringen, mit viel Empathie und der ihr eigenen respektvollen Art Menschen zu sehen, für die das eingangs angeführte Zitat als Lebensprogramm gilt. Lehnte man(n) sich weit aus dem sprichwörtlichen Fenster, so könnten man(n) soweit gehen den Kernpunkt der Geschichte auf die Frage zu kondensieren, in welchem Ausmaß unsere Geschichte unsere Zukunft, unser Handeln determiniert und wo – sofern vorhanden – unsere Entscheidungsfreiheit Niederschlag findet oder gar endet.
Für das Titelbild firmiert Margret Wolf, die es schafft viel Athmosphärisches des Textes bildnerisch einzufangen. Das klar strukturierte Layout verdankt der Leser der Agentur groessenwahn.com alias Anette Kannenberg und Olaf Heinrichs.

Buchdaten:

  • Titel: „Franzi Berbikopf all-inklusive“
  • Autorin: Sigrid Kleinsorge
  • Ausgabe: Kindle Edition (74 Seiten Print)
  • Verlag: Amazon Digital Services LLC, February 17, 2017
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B06X1D8XP4
  • Dateigröße: 367 kB

(1) Alle Angaben, sowohl Seiten-/Positionsnummern, wie auch technische Details, beziehen sich auf die Kindle-Ausgabe des Rezensionsexemplares

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Von Lebensmöglichkeiten – Rezension zu „Der Tor und der Tod“ von Hugo von Hofmannsthal

Februar 25th, 2017

"Der Tor und der Tod" von Hugo von Hofmannsthal„Da tot mein Leben war, ist nun mein Leben, Tod!“ (S.30)

Zum Inhalt:

Claudio hat in seinem Leben viel erreicht, zumindest im materiellen Sinne. Er ist an einem Punkt angelangt, an dem er mit einem ernüchternden Kassensturz seines Daseins feststellt: „Es scheint mein ganzes, mein versäumtes Leben verlorne Lust und nie geweinte Tränen“ (S.8) In diese Szenerie hinein tritt der Tod, jedoch nicht als Schnitter, als gruseliges Skelett, vielmehr als der letzte und somit unnachgiebige Lehrmeister, Claudio enthüllend, was denn Leben bedeutet. Ihm dienen drei Verstorbene – Claudios Mutter, seine verlassene Geliebte und sein engster Freund – als Beispiele dafür, dass zum Leben auch die Annahme von Schmerz, Leid und Pein gehören, ebenso wie die erfüllende Verbundenheit mit seinen Mitmenschen zählt. Claudio beginnt eine Ahnung davon zu bekommen, dass er die wirklich wichtigen Lektionen offensichtlich erst am unabwendbaren Ende seines Lebens lernen wird: „Erst da ich sterbe, spür ich, daß ich bin.“ (S.31).

Fazit:

Der Lebenskonjunktiv ist es, der Claudio wie eine schallende Ohrfeige beim Erscheinen des Repräsentanten der zeitlichen Endgültigkeit seines Lebens ins Gesicht schlägt. Der über ihm und seinen mit Egomanie und fehlendem Rückgrat gepflasterten Lebensweg zusammenschlägt. Am Ende jenes Weges dem sich jedes menschliche Dasein einmal stellen muss. Hofmannthal thematisiert in seinem Stück, angelegt als lyrisches Drama, eine jener ehernen Grenzen, an denen sich letztendlich alle Existenzentwürfe messen müssen, ihren ganz persönlichen Wert einlösen werden, das Résumé gezogen wird und das vor niemand geringerem als dem demaskierten Selbst. In einer etwas moderneren Variante könnte man den Bielefelder Hörsaal-Slam Beitrag von Julia Engelmann durchaus als ähnliche Herangehensweise verstehen, geht es doch auch hier um das, was wir für unsere Leben planen, während das Leben passiert.

Zum Buch:

Die Auflage 38 des als Nr. 28 geführten Bandes der Insel-Bücherei ist mit ihren 32 Seiten eher dünn gehalten, was den Verlag jedoch nicht daran hinderte, einen solide gestaltetes, fest gebundenes und optisch schlichtes jedoch ansprechend gestaltetes Büchlein zu produzieren. Die Typografie trägt der Tatsache Rechnung, dass es sich um ein Theaterstück handelt, und weißt entsprechende optische Gliederungen des Textkörpers auf. Dem Thema entsprechend – so könnte man mutmaßen – ist der Einband in Grautönen gehalten. Ebenso einfach wurde der griffige Bedruckstoff gewählt. Ein summa summarum ansprechendes Werk aus der Insel-Bücherei.

Buchdaten:

  • Titel: „Der Tor und der Tod“
  • Autor: Hugo von Hofmannsthal
  • Umfang: 32 Seiten
  • Verlag: Insel-Verlag Frankfurt am Main; 38. Auflage 1989
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3-458-08028-7
  • Größe: 18,5 x 12,2 x 0,9 cm

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Vielgestaltig – Rezension zu „Liebesgedichte“ von Bertold Brecht

Februar 17th, 2017

Titelbild "Liebesgedichte" - Bertolt Brecht„… und ich verbeuge mich in den Wind“ (S.49)

Zum Inhalt:

Brecht „hinterließ mit über 2000 Gedichten und drei großen Lyriksammlungen eines der umfangreichsten und gewichtigsten lyrischen  Werke der deutschsprachigen Literatur des 20. Jh.s.“1), so kommentiert Kindlers Neues Literaturlexikon das Lyrische Werk Brechts. In dem vorliegenden Band werden thematisch zusammengestellt einige der Liebesgedichte Brechts vor den Vorhang dieser überwältigenden Fülle geholt. 50 Stück sind es an der Zahl bei denen Brecht immer wieder zwischen lyrischen Formen changiert. In der Regel eingängig, melodiös gehalten ergänzen sich dabei Form und Inhalt in organischer Art und Weise, was den Leser oft mehr spüren als intellektuell analytisch erfassen lässt, was hinter oder zwischen den Worten ausgedrückt werden soll. Zumal die Perzeption und Interpretation gerade in Sachen Liebe eine ausgesprochen subjektive ist, wobei sich die Lyrik hierbei geradezu anbietet Brücken zwischen Gefühl und literarischem Ausdruck zu schlagen. So ist eines der für mich persönlich beeindruckendsten Gedichte aus diesem Band „Morgens und abends zu lesen“, de es in einer beeindruckenden Schlichtheit die Dualität von Zweisamkeit und Eigenliebe einfängt. Sonette, Balladen, Lieder selbst einfache kurze Stabreime spiegeln das Œvre Brecht in diesem Band ansatzweise wieder und machen die Lektüre zu einem Genuss.

Fazit:

Der kleine Band aus der Insel-Bibliothek kann nur als ein thematischer Einstieg in das lyrische Schaffen eines der bedeutendsten Schriftsteller des deutschen Sprachraumes dienen. Dies jedoch gelingt ihm außerordentlich gut. Elisabeth Hauptmann hat mit viel Gespür, sowohl für Autor wie für Leser, eine Auswahl arrangiert, welche die handwerkliche, wie auch inhaltliche Bandbreite Brechts ansatzweise wiedergibt. Auf jeden Fall ein überaus lesenswerter Beitrag mit dem die Insel-Bibliothek ihrem Anspruch erneut gerecht wird.

Zum Buch:

Aus der Insel-Bibliotheks-Reihe kommt mit dem Band 852 erneut ein liebevoll gestaltetes Büchlein im Hardcover. Die Bindung ist sehr schön und hochwertig realisiert. Wie bei diesen Büchern üblich wurde auch auf die Einbandgestaltung großer Wert gelegt, so dass ein individuelles bibliophil ansprechendes Werk geschaffen wurde. Die Typografie ordnet sich der lyrischen Ausrichtung des Textes unter und kann durchaus als spartanisch, jedoch nicht unästhetisch, angesehen werden. Einzig ein paar drucktechnische Lapsus trüben das Gesamtbild marginal.

Buchdaten:

  • Titel: „Liebesgedichte“
  • Autor: Bertold Brecht
  • Umfang: 70 Seiten
  • Verlag: Insel Verlag
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-458-08852-3
  • Größe: 18,5 x 12,2 x 1,0 cm

1)  Kindlers Literatur Lexikon Bd.3, S. 70

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Wissenstransfer – Rezension zu „Gehirn in Fesseln“ Bd. 70 der Silberedition Perry Rhodan

Februar 10th, 2017

Titelbild "Gehirn in Fesseln" - Perry Rhodan Silberband 70„Im Nichts gab es weder groß noch klein, weder oben noch unten. Hier zählte nur das Bewußtsein.“ (S.148)

Zum Inhalt:

Markhor de Lapal zeichnet im Auftrag von Anti-Es dafür verantwortlich, dass ein perfider Plan in die Tat umgesetzt wird: Rhodans Bewußtsein, ja sein gesamtes physisches Gehirn wird gegen ein Android-Organ ausgetauscht, dessen Loyalität Anti-Es gehört. Rhodans Gehirn wird in eine weit entfernte Ecke des bewohnten Weltraums transferiert, in der die Transplantation von Gehirnen zur Lebensverlängerung ein fast schon alltäglicher medizinischer Eingriff ist. Doch auch hier herrschen Regeln moralischer und soziologischer Natur, derer sich Rhodans Bewusstsein erst einmal gewahr werden muss. Diese Aktion läuft so frech vor den Augen der terranischen Freunde Perrys ab, dass diese vorerst keinen Verdacht schöpfen.
Es wäre nicht Rhodan, würde er an dieser Herausforderung zerbrechen, egal wie abgeschnitten er von seiner Heimat ist oder wie trist die Lage wirkt. Die Jahrhunderte seiner Lebenserfahrung kommen ihm zugute, zumal es hier nicht nur um mentale Resilienz, sondern auch um das Beherrschen des politischen Macht- und Ränkespiels in einer vollkommen fremden Gesellschaft geht. Er muss mit teils sehr zwielichtigen Gestalten kooperieren, über seinen menschlichen Schatten springen, Allianzen mit zweifelhaftem Wert und noch zweifelhafteren Organisationen schließen, nur um seinem Ziel – der Rückkehr in das Solsystem – näher zu kommen. Die Gefahren sind dabei nicht nur rein politischer, sondern sehr realer physischer Natur, wie Rhodan immer wieder schmerzhaft aufs Neue erfahren muss.

Fazit:

Mit dem dritten Band im Zyklus „Das Kosmische Schachspiel“ gelingt des den Autoren und v.a. der Redaktion der Silberbände das erzählerische Ruder wieder etwas herumzureißen. Waren die beiden Vorgängerbände nicht gerade Glanzlichter, so gewinnt die Geschichte hier wieder etwas an Fahrt, sowie einen Hauch des ursprünglichen Charmes der Rhodan-Erzählungen zurück. Es werden alternative Soziologien entworfen, ebenso wie Versuche unternommen Einblicke in andersartige Wertesysteme und Denkweisen zu geben. Rasante spannungsgeladene Teile wechseln sich dabei mit deskriptiven ruhigeren Etappen ab, ohne Langeweile aufkommen zu lassen. In dieser Form ist man Perry-Rhodan Storys „gewohnt“.
Als kleines Goodie habe ich die Notizen, die ich mir während des Lesens gemacht hatte als grafische Inhaltsangabe wieder im folgenden Link hinterlegt Grafische Inhaltsangabe Bd. 70 .

Zum Buch:

Es ist ein Silberband, der sich nahtlos in die ausgezeichnet verarbeiteten Vorgängerbände einordnet. Sei es nun in drucktechnischer wie auch layouterischer Hinsicht. Die Verarbeitung des Buchblockes mit seinen festen, griffigen Seiten, sowie die beinahe traditionell zu nennende bildnerische Gestaltung des Einbandes sind ausgezeichnet realisiert. Ein Buch das handwerklich durchaus auf einem hohen Stand und ästhetisch ansprechend ist.

Buchdaten:

  • Titel: „Gehirn in Fesseln“
  • Umfang: 430 Seiten
  • Verlag: VPM Verlagsunion Pabel Moewig KG
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3-8118-2094-X
  • Größe: 19,7 x 13,2 x 4,4 cm

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Vereinnahmend – Rezension zu „Das Rad der Zeit“ Bd. 1 „Die Suche nach dem Auge der Welt“ von Robert Jordan

Februar 3rd, 2017

Titelbild "Das Rad der Zeit" (Bd.1) - Robert Jordan»Alles was ich habe, ist ein Schwert und ein Krieg, den ich nicht gewinnen kann, aber ich kann doch nicht aufhören zu kämpfen«. (S.818)

Zum Inhalt:

Viele tausend Jahre sind bereits vergangen. „Das Rad der Zeit dreht sich, Zeitalter kommen und gehen und hinterlassen Erinnerungen, die zu Legenden werden.“ (S.42). Rand al’Thor lebt mit seinem Vater als Schafzüchter in einem Gebiet genannt „Zwei Flüsse“, dem Reich Andor unterstellt. Ein von der Zeit und den politischen Wirren der großen Reiche beinahe vergessenes ländliches Gebiet in dem das Frühjahrsfest und die Händler, welche aller paar Monde vorbeikommen, schon das Höchste an aufregender Zerstreuung darstellen. Rand und seine Freunde Mat, Perrin und Egwene freuen sich auch in diesem Jahr auf Bel Tine, das Frühlingsfest, obwohl vieles nicht mehr so ist wie es sein sollte: die Saat will nur zögerlich aufgehen, die Temperaturen sind viel zu nieder, der Wind schneidend und selbst das Gras am Dorfanger kann nicht einmal eine einzige Kuh durchbringen. Auch der fahrende Händler ist heuer spät dran. Doch das Auftauchen eines Gauklers, genannt Thom Merrilin, entschädigt für vieles an Ungemach. Beunruhigend, wenn auch vorerst wenig beachtet, ist das lauernd agressive Verhalten der Wölfe, ebenso wie jenes der unzähligen Raben, die beide näher an die Gehöfte, näher an die Schafherden kommen als früher. In der Dorfschenke von Emondsfelde, dem Heimatdorf Rands, macht dann auch noch Moiraine, eine Aes Sedai, und ihr Behüter Lan al’Lan Mandragoran Rast.
Eine Aes Sedai, eine jener polarisierenden Figuren aus den Legenden, die in den Zwei Flüssen den Kindern erzählt werden und, als wäre das nicht genug, kommen zur selben Zeit mordende und plündernde Trollocs mit ihrem Herrn einem Myrdraal, ein einziges Ziel verfolgend: sie wollen die drei Jungen Rand, Mat und Perrin in ihre Gewalt bekommen. Moirain und Lan gelingt es die hoffnungslos überforderten Burschen zur Flucht zu bewegen. Einer Flucht deren Ziel Tar Valon, das Zentrum der Macht der Aes Sedai, ist. Der Dunkle König, in dessen Auftrag die Myrdraals handeln, bietet alles auf, was er an Schergen mobilisieren kann, um der jungen Männer habhaft zu werden. Diesen wiederum wird mehr und mehr bewusst, dass die Welt wie sie sie bisher kannten erschreckend größer und gefährlicher ist, als geglaubt, dass das Rad der Zeit auch mit ihren Lebensfäden webt. Rand wird immer öfter schmerzlich klar,“dass für ihn nichts mehr so sein würde wie früher, wenn er nach Hause käme. Falls das jemals geschieht.“ (S.572) Die gefährliche Reise verändert sie, ihre Sicht der Äonen währenden Geschichte, der schillernden Legenden, der widerstreitenden Machtgruppen. Sie lernen Orte und Wesen kennen, von denen sie nicht zur träumen wagten, sie wären real – im positiven wie negativen Sinne.
Rand und seine Begleiter finden aber auch Freunde unter Menschen – und nicht nur dort – die dem Gewebe der Zeit Farbe und Struktur zu verleihen mögen, wie es selbst die Aes Sedai nicht vorherzusehen wissen. Mehr als einmal bewahrheitet sich das Wort des Seherin Nynaeve: „Es ist gleich, wer gewinnt, der Wolf oder der Bär – das Kaninchen ist immer der Verlierer.“ (S.288)

Fazit:

Mit 14 umfangreichen Bänden hat Robert Jordan ein Fantasy-Epos geschaffen, an das man als Leser nicht ohne gewissen Respekt herangeht. Zum einen schon allein wegen des Umfangs, zum anderen da sich um dieses Werk beinahe ebenso viele Geschichten ranken, wie um Tolkiens „Herrn der Ringe„. Ein Vergleich, den auch die New York Times anstellt, wenn dort geschrieben wird: »Robert Jordan ist der legitime Herrscher über eine Welt, die J.R.R. Tolkien einst entdeckte.« Wer Tolkiens Geschichten gelesen hat, wird im „Rad der Zeit“ sehr viele und sehr auffällige Parallelen entdecken. Man kann dies nun als Negativum sehen, nach dem Motto „nichts Neues“ oder man lässt sich auf die narrative Weltengestaltung Jordans ein. Zweiteres wird man nicht bereuen 🙂 . Bereits der erste Band ist in mehrfacher Hinsicht imposant. Zum einen ist es der Umfang von 894 Seiten, zum anderen die Komplexität der entworfenen Bühne auf der Robert Jordan seine Charaktere agieren lässt. Besonders fällt dabei die bedachte, ja beinahe behäbige Art der Handlungsentwicklung auf, die dem Leser viel Zeit lässt die detailliert herausgearbeiteten Akteure kennenzulernen, ebenso wie deren gesellschaftliches Umfeld. Ob es nun die vielfach verwobene Mythologie, die oft undurchsichtige Politik, die Wirtschaft oder einfach die vielgestaltige Landschaft ist, nichts scheint so nebensächlich, als dass es nicht gebührend beschrieben würde. Und dies auf eine derart angenehm fließende Art und Weise, die nie Langeweile oder gar Überdruss beim Leser aufkommen ließe Es ist ganz im Gegenteil das Verfliegen der Zeit, das einem bewusst wird, wenn wieder ein Kapitel oder gar das Buch zu Ende ist und man sich unbändig auf den nächsten Teil der literarischen Reise freut.

Zum Buch:

Mit der Reihe „Das Rad der Zeit – Das Original“ hat der Piper-Verlag eine wunderschön gestaltete Sammlung an Büchern herausgegeben, die hohen bibliophilen Ansprüchen im Bereich der klebegebundenen Paperbackbände genügen. (Eine Äquivalenzliste der Ausgaben findet man unter diesem Link). Trotz des Umfangs von knapp 900 Seiten lässt sich der Band 1 sehr gut handhaben, was nicht zuletzt seiner ausgezeichneten Verleimung zu verdanken ist. Der Seitenbedruckstoff ist angenehm fest und griffig. Der Druck ist bis auf marginale Ausnahmen (siehe hier) sehr sauber ausgeführt, bis hin zu der von Ellisa Mitchel gestalteten Karte auf den letzten Seiten. Typografisch hält man sich zurück, lässt den Text inhaltlich wirken und unterstreicht nur dezent die grobtextuelle Gliederung in 56 Kapitel. Besonders sticht der kartonierte Umschlag mit seinem Metallic-Effekt, sowie dem Prägedruck im Bereich des Autorenschriftzuges ins Auge, wobei der gesamte künstlerische Entwurf den Grundtenor der Erzählung einzufangen versucht. Ein in jeder Hinsicht handwerklich sehr schön gestaltetes Buch auf einem für Paperbacks sehr hohem Niveau.

Buchdaten:

  • Titel: „Das Rad der Zeit 1 – Die Suche nach dem Auge der Welt“
  • Autor: Robert Jordan
  • Umfang: 894 Seiten
  • Verlag: Piper, Auflage: 4 (2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-492-70081-8
  • Größe: 21,5 x 13,5 x 4,9 cm

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Völkerwanderung – Rezension zu „Die Hyperseuche“ Bd. 69 der Silberedition Perry Rhodan

Januar 28th, 2017

"Die Hyperseuche" - Perry Rhodan Silberband 69„Mißverständnis war der Vater aller Kriege, aber der Krieg war nicht Vater aller Dinge.“ (S.36)

Zum Inhalt:

Mit der Rückkehr Rhodans und seiner Crew aus dem Paralleluniversum gelangt auch ein „blinder Passagier“ mit in die heimatliche Galaxis. Ein Virus, der zu seiner Ausbreitung Geräte benutzt, die auf fünfdimensionaler Basis arbeiten – und so gut wie jedes Gerät in der galaktischen Raumfahrt oder einer anderen höheren Technologie ist dadurch betroffen. Dieser Virus löst die PAD, die Psychosomatische Abstraktionsdeformation aus, ein Krankheitbild das je nach Zivilisation und Grad des Vortschreitens anders zu Tage tritt: in der ersten Phase beginnen die Befallenen ganz unterschiedlichen Tätigkeiten mit bis dahin ungeahntem Enthusiasmus nachzugehen. In Phase zwei beginnt eine alles Dimensionen sprengende Wanderungswelle der Terraner zu ihrer Heimatwelt, die diesem Ansturm nicht gewachsen ist. Wobei andere Völker, wie z.B. die Haluter oder die Akonen ihren kriegerischen Urinstinkt unkontrolliert auszuleben beginnen. So brechen bisher friedlich lebende Nachbarn Kriege vom Zaun die zuvor undenkbar gewesen wären. In der dritten Phase befällt die Betroffenen eine Lethargie, die es ihnen unmöglich macht, auch nur die basalsten Überlebenstriebe wie z.B. Essen, Schlafen etc. zu befriediegen. Die Konsequenz ist der Tod. „Die Seuche lag wie ein Leichentuch über Monden und Planeten, über Raumschiffen und Städten.“ (S.275)
Die einzige Abhilfe für dieses Dilemma scheint es zu sein, dass Rhodan sich den Ereignissen im  Paralleluniversum erneut stellt um die Zeitlinie zu verändern und so den todbringenden Entwicklungen keine Chance zu geben. Erneut steht er vor der Herausforderung, sich seinem Alter Ego zu stellen…

Fazit:

Leider, so muss ich festhalten, hat sich die Geschichte nicht zum positiven mausern können, und meine Meinung zum Band 68 findet sich in diesem Band betätigt. Die Erzählung ist dünn, es fehlt das Feuer, das Perry Rhodan Storys eigentlich ausmacht und seinen wir ehrlich: das Thema Zeitreisen um dann die Gegenwart resp. Zukunft zu verändern, ist nun auch nicht grade „neu“. Es erscheint eher, als haben sich die Autoren in eine Sackgasse geschrieben und müssten diese mit einer Zeitmaschine verlassen. Ich hoffe nur die nächsten Bände werden besser…
Als kleines Goodie habe ich die Notizen, die ich mir während des Lesens gemacht hatte als grafische Inhaltsangabe wieder im folgenden Link hinterlegt Grafische Inhaltsangabe Bd. 69.

Zum Buch:

Für die künstlerische Gestaltung des Covers firmiert in Band 69 der Silberedition Johnny Bruck. Die Innendeckel des ausgezeichnet verarbeiteten Buches zieren wieder Risszeichnungen und deren beschreibende Texte. Drucktechnisch ist der Band sauberer und besser geraten als sein Vorgänger. Unterm Strich ein Buch das die Silberbände wieder bereichert.

Buchdaten:

  • Titel: „Die Hyperseuche“
  • Umfang: 396 Seiten
  • Verlag: VPM Verlagsunion Pabel Moewig KG
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3-8118-2089-3
  • Größe: 19,7 x 13,2 x 4,2 cm

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Schräge Träume -Rezension zu „Die träumenden Knaben“ von Oskar Kokoschka

Januar 21st, 2017

Einbandbild zu "Die träumenden Knaben" von Oskar Kokoschka aus dem Insel-Verlag„… und wieder fiel ich hin und träumte“ (S.33)

Zum Inhalt:

Im Band 1170 der Insel-Bücherei findet der Leser Oskar Kokoschkas Erstlingsdichtung „Die träumenden Knaben“, entstanden 1907/08 mit einer Widmung an Gustav Klimt. Der anschließende, ebenfalls in diesem Buch enthaltene Text „Der weiße Tiertöter“ , entstand 1908 und wurde erstmals 1918 in der Zeitschrift »Das Kunstblatt« publiziert.
Der Ausgangspunkt für das Werk war der Auftrag der „Wiener Werkstätte“ an den Maler und Grafiker ein Kinderbuch zu kreieren. In einer überaus bildhaften, teils sprunghaften und metaphernlastigen Poetik setzt sich Kokoschka mit Themen wie Jugendliebe, Fernweh, dem Beengt-Sein durch Gewohntes und der Ambivalenz des jungen Menschen zwischen Kindsein und Erwachsenwerden auseinander. Die DNB-Mediengeschichte schreibt dazu: „Die träumenden Knabenenthält einen Prolog und sieben Träume, die farbintensiven Lithografien kennzeichnen den Übergang vom Jugendstil zum Expressionismus. Das Buch gilt als der Beginn des Expressionismus in Wien. Es zählt heute zu den wichtigen illustrierten Werken des 20. Jahrhunderts.“ 1)

Fazit:

Man kann die Lyrik dieses Bandes nicht unbedingt als leicht verständlich bezeichnen, sie eröffnet dem Leser jedoch einen neuen Gesichtspunkt, einen streiflichthaften Einblick in das frühe Schaffen Oskar Kokoschkas. Aus meiner ganz persönlichen Sicht sind jedoch die malerischen Aspekte der Ausgabe die sehenswerteren und allein aus diesem Ansatz heraus kann das Buch jedem Kunstinteressierten empfohlen werden – zumal hier die acht Farblithografien und zwei schwarz-weiß Illustrationen nach den Originalen erstmals wieder veröffentlicht sind.

Zum Buch:

Als Kenner der Insel-Bücher Bände ist man ohnehin eine sehr hohe Qualität von buchbinderischer Handwerkskunst, Drucktechnik und Typografie gewohnt. Dieser Band setzt mit seinem matt gestrichenen alterungsbeständigem Bedruckstoff, einem ungemein akkuraten und farbkräftigen Druck, sowie eine sauberen Buchbindung noch eins drauf. Typografisch findet die schlichte Schrift Frutiger 55 Verwendung. Ein in sich sehr stimmiger Band der den hohen bibliophilen Ansprüchen der Reihe gerecht wird.

Buchdaten:

  • Titel: „Die träumenden Knaben“
  • Autor: Oskar Kokoschka
  • Umfang: 56 Seiten
  • Verlag: Insel Verlag Frankfurt am Main und Leipzig, 1996, EA
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-458-19170-4
  • Größe: 18,5 x 12,2 x 0,9 cm

1.) DNB-Mediengeschichte Quelle

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