Das Rad des Lebens – Rezension zu „Der farblose Mann“ von Milan Johannes Meder

September 29th, 2016

Das Rad des Lebens - Rezension zu "Der farblose Mann" von Milan Johannes Meder„Manchmal fühlte er das Gefühl der Gefühllosigkeit und wie ein grauer Schatten wurde alles um ihn herum eintönig, kalt und leer“ (S.6)

Zum Inhalt:

Es ist das letzte Drittel des Lebens, das für den 63jährigen Christoph Schneider angebrochen ist. Zeit ein Résumé zu ziehen.  Mit seiner Frau Sara fand er einen Menschen, der ihn aus seiner sozialen Isolation, seinem Wunsch dem Leben und der Selbstentfremdung zu entfliehen im ureigensten Sinne des Wortes gerettet hatte. Das Minenfeld menschlicher Beziehungen, sei es nun zum Vater, zum Partner, zu Kindern oder dem generalisierten Mitmenschen als Archetypen der Selbstspiegelung, macht es für Christoph so unendlich kräfteraubend jene Leichtgängigkeit im Rad des Lebens zu finden, um die er andere stets beneidet. Diese Suche nach dem Pfad weg vom bloßen Existieren hin zu einem sinnerfüllten Sein durchzieht Christophs Dasein. Integraler Bestandteil seiner Findung ist auch das Entdecken und Schätzen-Lernen des Zugangs zu seinem Vater, erkennend, dass Leben ein Weg ist, dessen Ziel und Aufgabe im reinen Sein bereits Ursprung, Ende und Neubeginn birgt.

Fazit:

Milan Meder versteht es die zerrissene Seelenwelt eines in sich gefangenen, emotional ambivalenten Menschen mittels eindringlicher, kontrastreicher Bildsprache in das Bewusstsein des Lesers zu heben. Dieses Uneinssein, der kontinuierliche Versuch der Sinnfindung, des Schaffens oder Erlebens von etwas Bleibendem durchzieht den Text, widergespiegelt in einem oft zersplittert wirkenden Gedankenfluss. Interessant wäre es aus dem doch sehr kurzen Text einen längeren Roman zu weben, denn das Potential dazu hätte er allemal.

Zum Buch:

Books on Demand liefert den Text in einem qualitativ gut verarbeiteten Heft mit ansprechender Umschlaggestaltung, solider Verleimung und imprägniertem Softcover. Die Typografie lässt sich als ultraminimalistisch beschreiben. Bis auf jeweils eine Leerzeile zwischen den Kapiteln finden sich auch in der grobtextuellen Einteilung keine weiteren gestalterischen Elemente, was dem Text in seiner Optik eine recht archaische Wirkung verleiht und Textpuristen freuen wird 🙂 .

Buchdaten:

  • Titel: „Der farblose Mann“
  • Autor: Milan Johannes Meder
  • Umfang: 27 Seiten
  • Verlag: BoD, 2016
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-8370-5979-3
  • Größe: 19 x 12 x 0,5 cm

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Antipoden

September 24th, 2016

"Anti-Universum" - Perry Rhodan Silberband 68„»Der Weise schweigt, wenn ihm nur leere Worte zur Verfügung stehen«“ (S.47)

Zum Inhalt: Es war schon immer eines der drängendsten Probleme der Menschen: die Versorgung mit genügend Energie. Um eben diesem Problem zu begegnen führen die Terraner ein gewagtes Experiment durch, welches misslingt. Anfangs wirkt das Scheitern wie einer von vielen einzukalkulierenden Rückschläge auf dem Weg zu neuen Erkenntnissen, doch bald findet sich die Crew der MARCO POLO in einem Paralleluniversum wieder, welches durch einen in jeder Weise ins moralische Gegenteil verkehrten Rhodan II beherrscht wird. Seine gesamte Führungsriege ist um keinen Deut besser, was die Terraner der MARCO POLO I immer wieder aufs Neue feststellen müssen.
Die Antipoden Rhodan II und Atlan II schrecken auch nicht davor zurück gesamte Sonnensysteme zu entvölkern, sollte in diesen der Keim für eine Rebellion entdeckt werden. Rhodan I gelingt es durch geschickte Schachzüge immer wieder seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, welche die Herrscher des Anti-Universums nicht müde werden stets aufs neue und noch perfider auszulegen. Hinter dem Offensichtlichen vermuten die Wissenschaftler der MARCO POLO schon seit geraumer Zeit Wesenheiten, die Rhodan nicht unbekannt sind. Zumindest eine davon stellte sich bisher stets als den Menschen wohlgesonnen dar: ES. Um so verwirrter zeigen sich Rhodan und seine Freunde über die bedrohliche Entwicklung für die augenscheinlich ES firmiert.
Die finale Begegnung der beiden Spiegelbilder Rhodan I und Rhodan II vermag sich als einziger Ausweg aus dem Dilemma des endgültigen Verschollenseins in einem feindlichen All anzubieten. Doch wie weit kann man ES noch trauen?

Fazit: Hat man erst mal 68 Bände aus der Perry Rhodan Sammlung gelesen, so stellt man zwangsläufig Vergleiche an, v.a. Vergleiche der Bücher untereinander und der narrativen Entwicklung der Geschichte. Und was diesen Part anbelangt, hat Band 68 für mich mit Abstand am schlechtesten abgeschnitten. Die Storyline ist eher lieblos gehalten, durch die hohe Vorhersehbarkeit will auch nicht so recht jene Spannung aufkommen, die sich durch die früheren Erzählungen gezogen hatte. Einzig die letzten drei bis vier Kapitel lassen erahnen, was man aus dem Handlungsbogen hätte machen können. Es bleibt zu hoffen, dass der Folgeband wieder an jenen Schwung anknüpfen kann, welcher der Serie bisher innewohnte. Als kleines Goodie habe ich die Notizen, die ich mir während des Lesens gemacht hatte als grafische Inhaltsangabe wieder im folgenden Link hinterlegt Grafische Inhaltsangabe Bd. 68 .

Zum Buch: Verarbeitungstechnisch kann man über den Band 68 aus der Silbereditionsreihe nichts Negatives sagen. Verleimung, Buchdeckel, textgestalterische und grafische Ausführung sind gut gelungen, einzig der Druck lässt an einigen Stellen etwas zu wünschen übrig (siehe hier), was aber für den Lesefluss unerheblich ist.

Buchdaten:

  • Titel: „Anti-Universum“
  • Umfang: 448 Seiten
  • Verlag: VPM Verlagsunion Pabel Moewig KG
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3-8118-2088-5
  • Größe: 19,4 x 13,2 x 4,8 cm

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Sagenschatz der Dolomiten – Teil I

September 17th, 2016

"Dolomitensagen I" Karl Felix Wolff„Es wechseln die Geschlechter
die Sage bleibt sich treu“ (S.101)

Zum Inhalt: A.Schaefer schreibt: „Mit herzerfreulicher Naivität und in einfachster Tonart erzählt und gestaltet Wolff Geschehnisse von in ihrer Auswirkung oft klassischer Größe;“ („Heimat“, Nr. 44, Beilage der Münchner Neuesten Nachrichten vom 4. Dez. 1929) und in der Österreichischen-Touristenzeitung Nr. 2 vom 1. Feb. 1930 liest man, „daß diese drei Bändchen in ihrer Gesamtheit ein seltenes Werk tiefster und schönster Berglandpoesie darstellen“ und „unendlich viel mehr bedeuten als ein bloßes gewissenhaftes Sammelwerk.“ Karl Felix Wolff (* 21. Mai 1879; † 25. November 1966) trägt in seinem ersten Band Sagen zusammen, die um die stets präsenten Themen wie Liebe, Krieg, Macht, Einsamkeit und Verlassenwerden kreisen, wobei neben den Sagen-Klassikern, wie „König Laurin und sein Rosengarten“ auch Jules-Verne-hafte Erzählungen (siehe „Die bleichen Berge“) Einzug halten. Immer wieder sind Nachworte oder Fußnoten zu den einzelnen Geschichten eingewoben, so dass Erklärendes den Zugang zu Text und Geschichte vereinfacht. Dazu tragen nicht zuletzt auch jene informativen Abschnitte bei, in denen der Autor auf die zeitgenössische Literaturkritik, sowie die Resonanz in seiner Leserschaft, wie auch die Entstehungswege der akribisch recherchierten Sammlung eingeht.

Zum Inhalt des ersten Bandes:

  • Die bleichen Berge
  • Die Seelaus Hütte
  • Das Wasserrinnen-Tal
  • Die Nachtigal vom Saßlong
  • Die Latemar-Puppen
  • Das Weib des Urimannen
  • Der Wintersenner im Rosengarten
  • Der Hirte vom Monte Cristallo
  • König Laurin und sein Rosengarten
  • Die Seiser Alm und die verheißene Zeit
  • Ladina
  • Die Salwària
  • Das große Sehnen
  • Der Zöllner von Karneid
  • Der Farbenglanz des Karer Sees
  • Die Königin der Crodéres

Fazit: Sowohl Druck, buchbinderische Verarbeitung, makrotextueller Aufbau, als auch die sprachliche Gestaltung weisen das Buch als ein Gustostückerl für geschichtlich Interessierte aus. Und nicht zuletzt unterstreicht dies die Zusammenstellung der überlieferten, teils uralten Sagen, die Karl Felix Wolff von den ladinischen und deutschen Dolomitenbewohnern gesammelt, rekonstruiert und bearbeitet hat. Auf dem Titelblatt des ersten Bandes weist Wolff die 3 Bücher seiner Sagensammlung als „Ausgabe in drei selbständigen Bändchen“ aus. Wolff gelingt es in den Texten „dem Geiste, der die Poesie der deutschen und ladinischen Dolomitenbewohner durchweht“ (S.4) behutsam näher zu kommen. Hierbei legt der Autor das Ziel, resp. den Zweck der Sammlung klar indem er den Leser bittet, sein „Werk als das zu nehmen, was es sein will: ein Versuch etwas Erlöschendes in seinen vollen Formen wieder aufleben zu lassen.“ (S.16).

Zum Buch: Die hier besprochene Ausgabe von 1935 zeichnet sich durch einen festen Leineneinband aus, der den in straffer Fadenheftung gehaltenen Buchblock umschließt. Als Seitenbedruckstoff wurde ein etwas faseriges Papier verwendet und der obere Anschnitt des Buchblockes in roter Farbe gehalten. Typografisch ist der Text, bis auf die Seiten und Bogennummerierung, in Fraktur gehalten, deren Variation nur in wenigen Schnitten stattfindet. Daraus ergibt sich ein weitestgehend homogenes und ästhetisches Druckbild, das es auch dem in der Fraktur Ungeübten leicht macht den Text fließend zu lesen. Abgerundet wird der positive Gesamteindruck des Bandes durch einen schlicht gehaltenen Schutzumschlag.

Buchdaten:

  • Titel: „Dolomiten-Sagen“
  • Autor: Karl Felix Wolff
  • Umfang: 192 Seiten
  • Verlag: Ferrari-Auer; Auflage: 1935
  • Sprache: Deutsch / Ladinisch
  • Größe: 19,4 x 13,2 x 1,2 cm

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Essenz des Menschseins

September 10th, 2016

"Das fremde Hirn" - Klaus Frühauf„Die Wirklichkeit übertrifft jede Vorstellung, und sei sie noch so phantastisch.“ (S.225)

Zum Inhalt: Modelle sind es, 14 an der Zahl, die Klaus Frühauf entwirft, der drängenden Frage nachgehend, was den Menschen als Individuum und als Spezies in einer sich evolvierenden Umwelt definiert. Dabei fokusiert er sich nicht alleinig auf SF-Dauerbrenner wie Robotik resp. Kybernetik („Transfer“)  oder den Kontakt mit fremden Spezies („Das fremde Hirn“) als Leuchtfeuer für eine Positionsbestimmung dessen was Menschsein ausmachen könnte. Ebenso intensiv nähert er sich dem nach wie vor brisanten Thema der genetischen Manipulierbarkeit dessen woraus wir gemacht sind („Mont“,“Petras Mütter“), versucht der schier ungreifbaren Frage nach dem Determinismus zwischen Umwelt und Veranlagung näher zu kommen und einen aus seiner humanistischen Überzeugung erwachsenden Ansatz von Möglichkeiten zu extrapolieren, der tragende Gesellschaft auch im Umfeld von Wissenschaft und Technik möglich macht.

Folgende Erzählungen finden sich in diesem Band:

  • Nachtzug
  • Mont
  • Was du ererbt…
  • Hoffnung
  • Herzfehler
  • Der Unfall
  • Kontakt
  • Petras Mütter
  • Die Erde ist ein fremder Stern
  • Der Mörder
  • Transfer
  • Das fremde Hirn
  • Die Chimäre
  • Regeneration

Fazit: Den Grundtenor der Erzählungen bildet Frühaufs positive Sicht auf das Potential des Menschen und dessen Fähigkeit sich zu einem im Kollektiv der Gesellschaft bewährenden Individuum entwickeln zu können, welches über seine eigene Existenz hinaus Großes bewegen kann. Dabei geht er nicht den ausgetretenen Weg der Superhelden oder Einzelkämpfer, sondern real denkbarer und emotional vom Leser erfassbarer Lebenswege stimmiger Charaktere, anhand derer er Konflikte entwickelt, welche seine Darsteller sehr viel öfter in moralische denn in technisch-wissenschaftliche Spannungsfelder gelangt. Nichts liegt Frühauf dabei ferner, als ein plattes, pastelfarbenes Heile-Eierkuchen-Bild mit Happy-End zu malen. Die fesselnden Szenarien lassen den aufmerksamen Leser mit einem oft fröstelnden Hauch im Nacken zurück, jedoch nicht in dem teils modern gewordenen dystopischen Fatalismus endend, sondern mit einem motivierenden Anspornen, nichts einfach hinzunehmen, wachsam zu sein und stets an der eigenen und der kollektiven Integrität einer wertschätzenden Menschlichkeit zu arbeiten.

Zum Buch: Seitens der Haptik fällt zuerst der sehr dünne Seitenbedruckstoff auf, dem es auch anzulasten ist, dass Schön- und Widerdruck öfters durchscheinen. Besonders auffällig ist dies bei den Blättern mit Grafiken zu sehen. Erstaunlich stabil ist jedoch, gerade trotz dieser Tatsache, die Verleimung des Buchblockes und bis auf ein paar kleine Ausreißer ist der Druck durchaus gut gelungen (siehe hier). Die ausdrucksstarken Bilder  des Grafikers und Illustrators Peter Fischer-Sterneaux (* 1958 in Santiago de Chile, † 2004 in Berlin) verleihen den Geschichten eine zusätzliche Intensität, welche deren Tiefgang unterstreicht.

Buchdaten:

  • Titel: „Das fremde Hirn“
  • Autor: Klaus Frühauf
  • Umfang: 276 Seiten
  • Verlag: Verlag Neues Leben Berlin
  • Sprache: Deutsch
  • Lizenz Nr: 303 (305/112/82)
  • Größe: 17,7 x 10,7 x 1,3 cm

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Brotkrumen, Versatzstücke und das große Ganze

September 9th, 2016

"Das Universum nach Landau" - Karsten Kruschel„menschen irren sich oft. und sie machen dennoch unverdrossen weiter. allein dies macht sie zu etwas besonderem.“ (S.143)

Zum Inhalt: Der „Roman in Dokumenten und Novellen“, so der Untertitel des Bandes, präsentiert dem Leser ein in jeder Hinsicht buntes Kaleidoskop an Versatzstücken aus einem vielschichtigen Universum, in dem auch die erzählerischen Schwergewichte – im positiven Sinne zu sehen – um den Planeten Vilm oder jene von Galdäa beheimatet sind. Für die großen Herausforderungen, Abenteuer oder Waterloos braucht die Menschheit in diesem Universum nicht zwingend epische Raumschlachten oder gänzlich fremde Wesenheiten. Es ist die Zeit und somit die fortschreitende – oft auch forcierte – Entwicklung der eigenen Spezies die diese in ihrem Größenwahn („Grün: Im Sternzeichen des Rasenmähers“), ihrer Habgier („Ende der Jagdsaison auf Orange“), ihrer ignorant sorglosen Selbstgefälligkeit („Schwarz:Netz:Schwarz“) immer wieder in die Konfrontation mit ihren Dämonen treibt, welche auch über Äonen die identen bleiben, ganz egal wie weit die ausgeklügeltste Technik auch die Lebensumstände verändern mag.
Besonders angenehm fällt dabei auf, dass Karsten Kruschel keine moralischen Zeigefinger hebt. Er malt Szenarien. Szenarien deren potentielle Denkbarkeit und somit deren logische Gedankenkette stets nachvollziehbar bleibt. Ein Zitat welches mir bei den oft aussichtslos scheinenden Handlungssträngen stets in den Sinn kam war: „ich sage nur… Das Leben findet einen Weg!“ („Jurrasic Park“, Quelle: hier). Und eben dieses Leben in seiner Mannigfaltigkeit zu erdenken schickt sich Karsten Kruschel auf faszinierende, oft verblüffende Weise an. Anfangs, v.a. als Leser, dem die anderen Bücher Kruschels nicht bekannt sind, fragt man sich, welchen Zusammenhang denn nun die einzelnen Geschichten hätten, doch je weiter man liest, desto mehr reihen sie sich perlenkettenartig zu einem ineinandergreifenden Ganzen, was über die 278 Seiten verteilt zu mehrfachen Aha-Erlebnissen führt 🙂 . Eine thematische Ähnlichkeit von „Grün: Im Sternzeichen des Rasenmähers“ mit einer Kurzgeschichte von Gottfried Meinhold „Liana Halwegia“ (Quelle: „Lichtjahr 3“) empfand ich als Leser in keinster Weise störend und Kreuzverweise oder subtile Anspielungen auf das „Vilm-Universum“, wie es mancherorts bezeichnet wird, machen Lust tiefer in Karsten Kruschels Schriftwelt einzutauchen. Lohnend ist dies allemal.

Aus dem Inhalt:

  • Grün: Im Sternzeichen des Rasenmähers
  • E-Mail von Landau an alle
  • Rote Bonbons oder: Eskimos sind auch nur irgend so ein Feind
  • Lexikoneintrag: Atibon Legba
  • Violets Verlies
  • Das Testament des Prof. Dr. Dr. H.C. mult Christofor Antonowitsch Juliette-Bugatti
  • Ende der Jagdsaison auf Orange
  • Rezension von »Raumfahrende Menschheit«
  • Gelb wie Zwiebelgras, Jahre vor dem Frühlingsende
  • Weiss: Der Ausweg Blanche
  • Unvollständige Liste der unauffindbaren oder unauffindbar gewesenen Welten
  • Schwarz:Netz:Schwarz
  • Unwesentlicher Kommentar

Fazit: Fordernd, subtil vereinnahmend, angenehm komplex. Dies sind nur einige wenige Adjektive, die mir während und kurz nach der Lektüre der literarischen Versatzstücke aus der Feder Karsten Kruschels in den Sinn kamen. Einige der Erzählungen kannte ich – zumindest in einer Vorgängerversion – aus seinen früheren Veröffentlichungen, so z.B. „Ende der Jagdsaison auf Orange“ aus „Die Audienz“, „Violets Verlies“ aus der Anthologie „Emotio“ oder „Schwarz:Netz:Schwarz“ aus „Armageddon mon Amour“. Auf diese und noch andere textliche Vorgänger, resp. Hommagen wird auch in den Anmerkungen, am Ende des Bandes eingegangen. Kruschel zeichnet sich einmal mehr, seinem angenehmen Erzählstil stets treu bleibend, als fesselnder Weltenmaler von Geschichten intrinsischer Kohärenz aus. Seine schillernden Visionen schaffen ein in sich stimmiges, jedoch keineswegs konfliktfreies Bild bestechender visionärer Schärfe, durch das hindurch nicht selten ein wachrüttelnder Blick auf Entwicklungsstränge des Hier und Jetzt aufblitzen. Dies zeichnet ihn als einen jener Autoren aus, die in der Tradition klassischer SF verwurzelt den nächsten Schritt gehen, welche solides schriftstellerisches Handwerk mit einer schier endlos erscheinenden Fantasie zu paaren vermögen und welche Texte in einzigartiger Qualität entstehen lassen. Ein rundum empfehlenswertes Buch, welches man mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht nur einmal liest.

Zum Buch: Ernst Wurdack ist mit dem Cover ein bildnerischer Aphorismus gelungen, der den Texten nicht besser hätte gerecht werden können. Nicht nur diese ästhetische Seite, sondern auch die verarbeitungstechnische ist ausgezeichnet gelungen. So ist der saubere Druck auf griffigem Papier realisiert welches einen solide verleimten Buchblock ausmacht, der bei der Lektüre weder knickt noch bricht. Die Typographie ist in angenehm großer Schrift gehalten und lässt ohne Extravaganzen den Text wirken. Ein künstlerisch sehr schön gestaltetes und handwerklich gut ausgeführtes Paperback.

Buchdaten:

  • Titel: „Das Universum nach Landau“
  • Autor: Karsten Kruschel
  • Umfang: 278 Seiten
  • Verlag: Wurdack, 1. Auflage, 2016
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-95556-093-5
  • Größe: 21 x 13,5 x 2,2 cm

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Geschichte hinter den Worten

September 3rd, 2016

"Woher kommt das schwarze Schaf" - Wolfgang Seidel„Es geht einfach um die Freude, Geschichte und Geschichten hinter den Wörtern zu entdecken und sich ein Bild zu machen von den vielfältigen Möglichkeiten, wie sie entstanden sind.“ (S.8)

Zum Inhalt: Begriffe mit denen wir in der deutschen Sprache ganz selbstverständlich hantieren, deren Gebrauch sie als organischen Bestandteil dieser Sprache seit jeher scheinbar wie selbstverständlich ausweisen, entpuppen sich bei näherer Betrachtung – und dies ist es was Wolfgang Seidel anstellt – als durchaus oft weitgereist. Der Großteil aus anderen Sprachen aufgenommener Wörter fällt auf die üblichen Verdächtigen wie Latein und Französisch, dass jedoch auch Malaiische- und Eskimo-Sprache ihre Abdrücke hinterlassen haben bedarf schon eines tieferen Schürfens in der Entymologie. In 13 Kategorien teilen sich die Wörter ein, deren Wurzeln der Autor nachspürt, wobei er immer wieder Querverbindungen knüpft, den Leser teils an exotische Plätze in Geografie und Geschichte entführt, um ein rundes Bild der Herkunft unserer Begriffe zu zeichnen.

Kategorien / Kapitel:

  • Menschen & Alltag
  • Die ältesten Wörter
  • Paarformeln & Lautmalerei
  • Farbenlehre
  • Fremdwörter
  • Geld & Wirtschaft
  • Orientierung in Zeit & Raum
  • Kultur & Medien
  • Natur & Klima
  • Wissenschaft & Technik
  • Mensch & Medizin
  • Essen & Trinken
  • Sport & Freizeit

Fazit: Die Badische Zeitung schrieb: „Ein Lesevergnügen mit Bildungseffekt.“ Und treffender könnte man in dieser Kürze wohl kaum umreißen, was Wolfgang Seidel mit seinem Buch gelungen ist. Mittlerweile hat sich der Band einen permanenten Platz neben den entymologischen Nachschlagewerken auf meinem Schreibtisch gesichert und nicht selten stöbere ich und lese mich fest in der Unmenge an fundierten, teils skurrilen, stets interessanten bis spannenden Informationen zu dem was ich meine Muttersprache nenne. Insbesondere der leichte Schreibstil und die thematischen Klammern in denen sich der Zoo aus Wörtern bewegt reihen das Buch in die Kategorie „Lernen mit Spaß“ ein, kombiniert mit Humor und manchmal einem Schuss spitzbübisch erfrischender Ironie.

Zum Buch: Besonders positiv fällt die ausgezeichnete typografische Umsetzung des Textes, gesetzt aus der LinoLetter Medium™, auf, der mit Farben, obwohl sparsam verwendet, eine gelungene Strukturierung des Leseflusses trotz des dicht gedrängten Informationsgehaltes zustande bringt. Die grobtextuelle Einteilung erinnert stark an das lexikalische Layout, wobei dies durchaus von Vorteil ist, zumal thematisch aufgebaute Artikel und das sehr ausführliche Stichwortverzeichnis die Annahme nahe legen, dass der Band als kleines Minilexikon verwendbar sein sollte. Manche layouterische Akzente sind anfangs etwas befremdlich, integrieren sich aber sehr gut in das Gesamtbild der Seitenpräsentation (z.B. S.85 oder 156). Die Verleimung des Buchblockes ist akzeptabel, allerdings hätte ich mir für ein kleines Nachschlagewerk etwas stabileres gewünscht – vielleicht in einer nächsten Ausgabe ;-).

Buchdaten:

  • Titel: „Woher kommt das schwarze Schaf“
  • Autor: Wolfgang Seidel
  • Umfang: 272 Seiten
  • Verlag: DTV
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-423-34688-7
  • Größe: 19,1 x 12,4 x 1,6 cm

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Der Umgang mit sich selbst – jenseits der Selbstverliebheit

September 1st, 2016

"Sei nicht so hart zu dir selbst" - Andreas Knuf„Selbstmitgefühl ist kein Ziel, das jemand irgendwann erreicht hat“ (S.78)

Zum Inhalt: Andreas Knuf teilt sein Plädoyer für einen mitfühlenden Umgang mit sich Selbst in zwei Teile, von denen er im ersten die Grundlagen seiner Überlegungen und Schlüsse darzulegen versucht und dem Leser einen Einblick in sein Menschenbild gibt. Im zweiten Teil, welcher ziemlich genau in der Mitte des Buches seinen Anfang nimmt, widmet er sich dem Thema Selbstmitgefühl ins eigene Leben, den eigenen Alltag zu bringen, sozusagen dem Fleisch auf den Knochen der Theorie. Zentrales Thema stellt dabei immer wieder das Postulat dar, dass Selbstmitgefühl keine konditionierte „Schönwetter-Mache“ ist, sondern ein lebenslanger Prozess, welcher seine positivsten Auswirkungen in Zeiten manifestiert, in denen es dem Selbst und somit uns, ohnehin am miesesten geht. In diesen Zeiten schmerzlicher Erfahrungen zeigt sich im Umgang mit sich selbst,  wie viel Mitgefühl, Verbundenheit und Freundlichkeit wir uns selbst zugestehen und uns gegenüber aufbringen können und welche Grundhaltung wir uns in dieser Beziehung angeeignet haben. Den Anhang – aus meiner Sicht durchaus als dritter Teil des Buches zu betiteln – bilden zum einen ein bewegender Erfahrungsbericht, welche Ein- resp. Auswirkungen ein Praktizieren mitfühlenden Umgangs mit sich Selber nach sich ziehen kann, zum anderen findet der interessierte Leser Quellenangaben, weiterführende Literatur, Links und Übungen für den Alltag.
Andreas Knuf greift in seinem Text viele der psychotherapeutisch „heißen Eisen“ an, zu denen es eine Unmenge an Literatur, Ratgebern und monokausalistischen Erklärungsversuchen gibt. Schlagwörter sind hier u.a. die Sollte-Thyrannei, der innere Dauernörgler, die Frage nach Verbundenheit und Getrenntsein (Stichwort: Intersein), wobei Knuf nicht nur beim Ich verweilt, sondern auch das globalere Konzept des Mitgefühls mit anderen nicht außen vor lässt, zumal eines aus dem anderen erwächst. Viele Anleihen nimmt er dabei beim Buddhismus auf den er immer wieder zu sprechen kommt. Knuf will seinen Text als „Lese- wie auch als Arbeitsbuch“ (S.19) verstanden wissen und legt den Textfluss entsprechend an, indem er bewusst Unterbrechungen setzt, die den Leser über Erfasstes nachdenken lassen, ja ihn förmlich darauf stoßen, sich die Zeit zu nehmen innezuhalten. So begegnet man dem Pausenzeichen Pausenzeichen_Andreas_Knuf immer wieder im Text und gewöhnt sich schnell an diese Art des Texterarbeitens.

Fazit: Interesse hatte bei mir ursprünglich der vielversprechende und etwas provokante Titel geweckt. Während der Lektüre stellte sich für mich recht zügig eine gewisse Ernüchterung über den „Nutzen“ des Buches, sowie die grundsätzliche Kernaussage – so wie zumindest ich sie verstanden habe – ein. Andreas Knuf weist mehrfach explizit darauf hin, dass er kein Rezeptbuch schreiben wollte, was ihm über weite Teile auch gelingt. Immer wieder tauchen Denkansätze, resp. -anstöße auf, die praxistauglich (= alltagsintegrierbar) sind und denen das Potential einer realen Hilfestellung innewohnt. V.a. muss sehr positiv hervorgehoben werden, dass Andreas Knuf nie den Eindruck vermittelt, der Leser müsse nur dies oder jenes beherzigen, tun, einhalten, um zu einem unumstößlich eindeutig positiven Ergebnis zu kommen. Er vermeidet auch Platitüden á la „Positives Denken“ – gegen welche er sich auch vehement äußert – zu strapazieren, wodurch der Leser eine realistische Sicht des Weges erhält, welchen er zu gehen bereit sein sollte, um dem Konzept des Selbstmitgefühls näher zu kommen. Als Pluspunkt können auch die weiterführenden Literaturverweise, sowie Links zu Ressourcen im Web gewertet werden.
Befremdlich waren für mich persönlich einige Aussagen, die Knuf aus meiner Sicht als einen doch recht rigiden Deterministen zeigen, dessen Menschenbild durchaus als widersprüchlich empfunden werden kann. Passagen wie: „Wir Menschen sind das Ergebnis unserer genetischen Programmierung und der Konditionierung, die wir erfahren haben.“ (S.59) oder „Gäbe es den freien Willen wirklich, so würde kaum noch jemand Hilfe brauchen und die meisten Psychotherapeuten arbeitslos.“ (S.61) sind dabei für alle Therapeuten im Bereich der kognitiven Verhaltenstherapie fast schon ein Schlag ins Gesicht und in dieser Form auch nicht haltbar. Die Widersprüchlichkeit wird besonders eklatant sichtbar im Kapitel „Nichts gemacht und trotzdem Schuld“ (S.63ff) in welchem Knuf dann doch wieder darauf eingeht, das bestimmtes Verhalten zukünftig vermeidbar sei (siehe Seite 66), was zu einem Willen, der nicht – wenn auch in Grenzen – frei ist in krassem Widerspruch stünde.

Zum Buch: Der Buchblock des etwas über 200seitigen Bandes wird umschlossen von einem kräftigen in Pastellfarben gehaltenen Paperbackeinband mit Einschlagklappen vorder- und rückseitig, auf denen Zusammenfassendes zum Text, sowie eine kurze Vorstellung des Autors Platz finden. Was leider etwas negativ ins Auge fällt ist die recht dürftige Verleimung der Einzelseiten, die das Buch nur bedingt als Arbeitsbuch tauglich macht. In der typografischen Textgestaltung hält man sich zurück und bleibt zusammen mit den auflockernden Piktogrammen im Textkörper angenehm zügig lesbar.

Buchdaten:

  • Titel: „Sei nicht so hart zu Dir selbst“
  • Autor: Andreas Knuf
  • Umfang: 224 Seiten
  • Verlag: Kösel
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-466-34622-6
  • Größe: 20 x 12,6 x 2 cm

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Music and sweet poetry

August 27th, 2016

"Die Lilienhand" - Edmund Spencer„Das Leben ist ein Licht, das du entfacht,
der Tod – die Schattenseite deiner Macht.“ (S.13)

Zum Inhalt: Alexander Nitzberg, welcher für die Übersetzung der Sonette Spensers in diesem Band firmiert , fasst seine Intention für die Texte wie folgt zusammen: „Ziel war es , organische deutsche Gedichte zu schaffen, die nicht nur den Sinn, sondern auch die Duftnote der Spenserschen Lyrik ahnen lassen…“ (S.132). Edmund Spenser – um 1552 in London geboren – war englischer Dichter mit einem ausgeprägten Sinn für kontemplativ Lyrisches, dessen Einfluss auf die angelsächsische Literatur Gegenstand unzähliger Forschungen war und ist (siehe dazu u.a. Spenser Online). Beginnend mit Amoretten (S. 7-94), geht die Zusammenstellung im Insel-Band über zu einem Kapitel genannt „Visionen vom Weltenwahn“(95-107) und schließt mit einem erläuternden Anmerkungsteil zu einzelnen Gedichten, deren Wortspielen und Bildern, sowie einem informativen Nachwort von Alexander Nitzberg. Was den Leser an Textvielfalt erwartet, lässt sich bereits anhand des Untertitels erahnen 😉 : sämtliche Sonette Spensers, deren sprachliche Intensität und Bilddichte dem Leser Sich-Einlassen-Wollen, innere Ruhe und etwas mentale Disziplin abverlangen, denn Nebenbei-Lektüre sind sie beileibe nicht.

Fazit: Es bedarf einiger Zeit und v.a. Muße, um sich mit den Sonetten Spensers anzufreunden, sich auf sie ein- und auf sich wirken zu lassen. Nicht bei allen fand ich einen tieferen Zugang, so als bliebe das letzte Velum ungelüftet. Das Nachwort des Übersetzers erschließt dem modernen Leser auch ohne sprachwissenschaftliche Ausbildung Einblicke in Spensers literarisches Bildschaffen, ohne ermüdend zu sein, sich an die eigene Vorgabe haltend: „Das Ergebnis will nicht so sehr ein philologisches als vielmehr ein sinnliches sein.“ (S.134)

Zum Buch: Die bibliophile Tradition der Insel-Bücherei fortsetzend, präsentiert sich der Band Nr. 1412 in seiner ersten Auflage in dezenten, weichen Herbstfarben, wobei das Bezugspapier auf das Tapetenmuster „Sonnenblume“ von William Morris zurückgeht. Die Bünde sind ausgezeichnet zu einem Block in Fadenheftung verarbeitet und die Typografie lässt dem Text – gesetzt aus der Stempel Garamond LT Std. – Raum für sich zu stehen. Der Leser hält mit dem Band ein haptisch und gestalterisch, sowie handwerklich wertiges Buch einer traditionsreichen Reihe in Händen.

Buchdaten:

  • Titel: „Die Lilienhand – Sämtliche Sonette“
  • Autor: Edmund Spenser
  • Umfang: 136 Seiten
  • Verlag: Insel Verlag Berlin (2015), 1. Auflage
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-458-19412-5
  • Größe: 19,7 x 13,2 x 1,5 cm

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Mit der D90 den Augenblick einfrieren

August 20th, 2016

"Nikon D90" - Michael Gradias„Nach der ersten Praxiserfahrung war klar, dass Nikon auch bei der D90 innovative Neuerungen untergebracht hat.“ (S.17)

Zum Inhalt: Michael Gradias, seines Zeichens Fachautor & Fotograf,  liefert mit seinem Band zur D90 Handbuch und Nachschlagewerk für die D90 in Einem. Neben den ersten einführenden Schritten zum Kennenlernen der Kamera, über Belichtungsautomatiken und deren Einsatz, sowie Möglichkeiten und Grenzen des Autofokusbetriebes, bringt Gradias dem Leser auch die Vielzahl an erweiterten Funktionen der D90 näher, stets mit dem Augenmerk auf deren Praxistauglichkeit. An eben diesem Kriterium der Tauglichkeit für den fotografischen Alltag lassen sich auch alle Anregungen, erklärenden Ausführungen, sowie v.a. die detailierten Beschreibung eines jeden Bildes in diesem Band messen. V.a. letzteres macht sich in der Lernkurve bemerkbar, kann der Leser doch gerade daran ersehen, welche Einstellungen für welchen Bildtypus die vielversprechendsten Ergebnisse liefern. Kurz gestreift wird auch die neue Funktion der D90 Filme zu erstellen, wobei die Bearbeitung mittels Windows Movie Maker® nicht mehr zeitgemäß erscheint. Unter der Rubrik „Dies und Das“ fasst Gradias Equipment allen Couleurs zusammen, so z.B. Blitzgeräte, Stative, Fototaschen, Leuchttische, Objektive und auch Diadups, stets Bedacht nehmend darauf, was dem ambitionierten Hobbyfotografen den meisten Nutzen bringen kann. Die Nikon eigene Software kommt ebenfalls nicht zu kurz und so werden über mehr als 30 Seiten Nikon ViewNX, Camera Control Pro 2, sowie Capture NX 2 behandelt. Ein Highlight bilden die 3 Workshops in denen der Autor anhand real gestellter Anforderungen Vorgehensweisen erarbeitet, wie man das Meiste aus einer Situation mit der D90 machen kann.

Fazit: Warum dieses Buch? Ich hatte vor kurzem bereits eine Buchbesprechung zu einem ähnlichen Werk von Jörg Walther verfasst – „Das Profi-Handbuch zur Nikon D90“ – und fand jenes von Michael Gradias die ideale Ergänzung. Gradias geht auch, jedoch weniger detailiert, auf die rein technischen Belange der Kamera ein, liefert hier v.a. einen Fülle ansehr hilfreichen und v.a. umsetzbaren 😉 Tipps für den Umgang mit der D90 im alltäglichen Gebrauch, sowie in grenzwertigen Ausnahmesituationen. Sein angenehm lockerer Schreibstil, die didaktisch ausgezeichnete Gestaltung und die profunde Wissensvermittlung machen das Buch immer noch zu einem Referenzwerk für die D90 von Nikon.

Zum Buch: Als Zwischending zwischen Lehrbuch und Bildband könnte man das Buch bezeichnen. Es ist hervorragend gedruckt und sehr stabil verarbeitet. Die Qualität der Abbildungen ist ausgezeichnet, die Typografie sparsam und doch akzentuiert eingesetzt und das Lesebändchen, sowie die beigelegte CD mit den Daten zum Buch runden das positive Gesamtbild ab. Aus meiner Sicht ein idealer Begleiter für Besitzer der D90, die ein Optimum aus ihrer Kamera herausholen wollen.

Buchdaten:

  • Titel: „Nikon D90“
  • Autor: Michael Gradias
  • Umfang: 350 Seiten
  • Verlag: Markt+Technik
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-8272-4462-8
  • Größe: 24,5 x 20 x 2,3 cm

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Lyrisch-malerische Ode an das vielgestaltige Element

August 13th, 2016

"Wasser ist Leben" - Friedrich Hechelmann„Es gibt im ganzen Weltkreis nichts Beständiges. Alles ist im Fluß, und jedes Bild wird gestaltet, während es vorübergeht.“ (S.18)

Zum Inhalt: Sowohl optisch als auch inhaltlich dominieren den Band die Bilder des 1948 in Süddeutschland geborenen zeitgenössischen Malers Friedrich Hechelmann. Das panta rhei – alles fließt – ist es, das Hechelmann einzufangen versucht, dem er sich verschrieben hat. Dieses Ver-Schreiben im wörtlichen Sinne repräsentieren auch die Texte von Literaten wie Hesse, Brecht, Goethe oder Lao Tse, deren unterschiedlichste Herangehensweise an das Lebenselement dem frischen Farbenspiel des Malers noch eine weitere Ebene des spielerischen Entdeckens unaufdringlich hinzufügt. Die Texte werden ihrer interpretativ beigestellten Aufgabe gerecht zumal Hechelmann selbst sagte: »Was soll eine Kunst ohne Philosophie.« (S.56)
Einfühlsam und mit viel sprachlicher Finesse gelingt es Gisela Linder in ihrem Nachwort noch den ein oder anderen verbindenden Verständnisbogen zwischen den Bildern sowie den Texten zu spannen, wobei Hechelmanns ‚Trilogie des Wasser‘ – abgebildet auf den Seiten 20 bis 25 einen zentralen Angelpunkt darstellt. Die teils stroboskopisch kurz gehaltenen Textstücke sind dabei Schwergewichten wie Goethes ‚Faust II‘, Hesses ‚Siddartha‘, Ovids ‚Metamorphosen‘ oder Walsers ‚Ins Wasser schauen‘, um nur einige wenige zu nennen, entliehen, stets unter detailierter Angabe der Quellen im Textnachweis.

Fazit: Die Seiten des kleine Band aus der Insel-Bücherei-Reihe atmen jede für sich Meditatives, teils Ruhendes, teils Aufgewühltes. Ebenso wie das Thema dessen sich Friedrich Hechelmann in seinen raumgreifenden Bildern angenommen hat: Wasser. Malerisch eine Liebeserklärung an das stets unfassbare Element, welches ob seiner Vielgestaltigkeit und allegorischen Wendigkeit nicht nur Künstler, Philosophen und Wissenschaftler in seinen Bann geschlagen hat. Durch seine literarische Reichhaltigkeit, sowie seine gestalterische Kongruenz verdient es sich einen Platz in der bibliophilen Rige der Insel-Bücherei allemal.

Zum Buch: Wiederum hält der Leser ein buchbinderisch und drucktechnisch ausgezeichnetes Büchlein der Insel-Bücherei Reihe in Händen, dessen Umschlaggestalltung allein schon eine Augenweide ist. Die Fadenheftung ist exzellent ausgeführt, der Druck ohne Tadel, einzig in der Typografie gäbe es satztechnisch Verbesserungspotential, wollte man denn unbedingt ein Manko finden (siehe hier). Definitiv ein Buch, dass sich auch handwerklich 5 Sterne verdiente.

Buchdaten:

  • Titel: „Wasser ist Leben“
  • Autor: Friedrich Hechelmann (Bilder), Gisela Linder (Nachwort)
  • Umfang: 64 Seiten
  • Verlag: Insel Bücherei; Erstauflage 1997 (Nr.1173)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-458-19173-5
  • Größe: 18,5 x 12 x 1,0 cm