„Leben ist Wagnis, und wer das nicht eingehen will, lebt niemals zur Fülle. Er lebt rudimentär, in Ansätzen. Und es kommt der Tag, an dem er betrauert, was Form hat werden wollen und Schemen geblieben ist.“ (S.29)
Zum Inhalt:
Mit „Wie leben gelingen kann“ von Elisabeth Lukas hält man einen Text in Händen, welchem die Autorin folgenden Anspruch mitgibt: „Insofern steht dieses Buch im Dienste echter Bibliotherapie und will nichts anderes als Lebenshilfe leisten.“ (S.14)
Im Großen betrachtet teilt sich der Text in 9 Kapitel, von denen Einleitung und Anhang, sowie Anmerkungen, Quellenverzeichnis und ein Kurzporträt der Autorin sozusagen den Rahmen bilden. Den Kern bilden 6 thematisch aufgespannte Klammern, welche die einzelnen Geschichten und die Interpretationen der Autorin dazu umschließen. U.a. findet sich hier auch eine Laudatio zum 90. Geburtstag von Viktor E. Frankl am 26. März 1995 von Stefanie Rebensteiner-Zips.
- Geschichten zum Thema Entscheidungskraft
- Geschichten zum Thema Selbstüberschreitung
- Geschichten zum Thema Vertrauensvorschuss
- Geschichten zum Thema Perspektivenwandel
- Geschichten zum Thema Lebensbetrachtung
- Geschichten zum Thema Friedensgruß
Elisabeth Lukas, ihres Zeichens die Grande Dame im Bereich der Logotherapie und Existenzanalyse nach Viktor E. Frankl, verquickt grundlegende Erkenntnisse und Ideenmaterial aus eben dieser psychotherapeutischen Schule mit konkreten Herausforderungen des (alltäglichen) Lebens. Ob es dabei um Schuld vs. Verdienst, die »Trotzmacht des Geistes«, das Konzept des Gewissens als »Sinn-organ« oder den Umgang mit Kränkung geht. Der Fundus an bibliotherapeutisch Wertvollem ist sehr reichhaltig.
„So wenig es dem Menschen gemäß ist, ausschließlich sich selbst zu betrachten, so sehr braucht er gelegentlich das Innehalten, Ruhig-Werden und Sich-Sammeln, um die Welt zu betrachten. Kontemplation und Aktion im Wechselspiel sind die Säulen, zwischen denen die Schaukel seelische Stabilität schwingt.“ (S.48)
Fazit:
Vielschichtig sind die Narrative, die Elisabeth Lukas bemüht. Vielschichtig wie das Leben selbst, ein Kaleidoskop an Themen, deren Zusammenhaltendes das Gewebe der Gedankenstoff der Logotherapie nach Viktor E. Frankl bildet. Die bunten Ausflüge die Lukas dabei in die Belletristik macht stehen in einer langen Tradition des Geschichtenerzählens, Interpretierens und Darlegens, stets die Zuhörer im Auge. Vermitteln von Werten, aufzeigen von weiten Gedankenlandschaften, erweitern des Horizontes, das war immer schon neben der Unterhaltung, dem sozialen Austausch, der mündlichen Überlieferung die Aufgabe von GeschichtenerzählerInnen.
Elisabeth Lukas gelingt mit „Wie leben gelingen kann“ ein sowohl zeitlicher als auch thematischer Brückenschlag, der dem Sinnsucher Mensch 30(31) nahrhafte Mahlzeiten für Geist und Seele auf der Reise durch sein Leben zur Auswahl stellt.
Zum Buch:
Der Lesende hält mit dem als Festeinband realisierten Buch „Wie Leben gelingen kann“ ein solides Werk mit sehr guter Verarbeitungsqualität in Händen. Griffiges, festes Seitenbedruckmaterial, ein klares und sauberes Druckbild, sowie geradlinige, durchgängige Typografie runden den professionellen Eindruck ab.
Ein interessantes Detail ist die Geschichte zur Umschlagsgestaltung umgesetzt durch KonturDesign (Bielefeld) unter Verwendung des Motivs von August Macke »Elisabeth am Schreibtisch«. Man könnte vermuten, es wäre tatsächlich Elisabeth Lukas Modell gestanden, aber es war Elisabeth, die Ehefrau des Künstlers (1887-1914). (Quelle: hier)
Buchdaten:
- Titel: „Wie Leben gelingen kann“
- Autor: Elisabeth Lukas
- Umfang: 198 Seiten
- Verlag: Quell Gütersloher Verlagshaus; 4. Auflage 2000
- Sprache: Deutsch
- ISBN-10: 3-579-03379-4
- Größe: 19,4 x 12,3 x 2,0 cm