Männerbewegung – Rezension zu „Männer auf der Suche“ von Steve Biddulph

Durch | 10. Juli 2020

"Männer auf der Suche" - Steve Biddulph

„Es gibt so viele Arten Mann zu sein, wie es Männer gibt, und jede einzelne kann gesund, fröhlich, bindend, nonkonformistisch, liebevoll, fürsorglich, anders und frei sein.“ (S.17)

Zum Inhalt:

Eine Reise ist es, auf die uns „Männer auf der Suche“ von Steve Biddulph mitnimmt. Die 16 Stationen resp. Kapitel füllen sich dabei mit tiefgründigen, spannenden und teils – auf den ersten Blick – befremdlichen Aha-Erlebnissen, die stets mit einer auflockernden Prise Humor präsentiert werden.

Die vielen „Hüte“ welche wir als Mann tragen (oder aufgesetzt bekommen), resp. die Rollen die ein Mann auszufüllen versucht, finden ausführlich Platz in einem angenehm psychologisch unbelehrenden Text. Als zentralen Angelpunkt arbeitet Biddulph dabei die Entdeckung des Vaters heraus, klarstellend, dass auch diese Rolle nicht zwangsläufig mit der biologischen deckungsgleich sein muss und es fließende Übergänge zwischen der Vaterrolle im speziellen / in der Familie und der Rolle des Mannes als Vater in der Gesellschaft gibt. Eng verzahnt damit wird auch das Thema ein „echter  Vater“ zu sein mit ins Boot genommen.

Um zu einem reifen Mann zu werden bedarf es auch einer Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität, sowie dem eigenen Geist. Nicht von ungefähr fasst der Autor diese beiden Aspekte in einem eigenen Kapitel zusammen, dem sich ein ebenso wichtiges weiteres anschließt: „Männer und Frauen“. Als Vorgeschmack dazu 2 Zitate, die ein wenig erkennen lassen mit welcher Bandbreite Biddulph aufwartet:

„Das heißt nicht, dass die beiden Geschlechter nicht miteinander auskommen können. Es heißt nur, dass die beiden Seiten immer wieder aufs neue verhandeln müssen! Falsche Konzessbereitschaft hilft weder der Frau noch dem Mann. Seien Sie also auf viele lange, Geduld erfordernden Diskussionen gefasst.“ (S.112)

„Eine glückliche Ehe kann jedoch nur ein Mann haben, der seinen Standpunkt artikulieren, der diskutieren und einen Streit sachlich bis zu einer Lösung durchstehen kann.“ (S.113)

Das Mannsein/-werden ist immer auch eingebettet in einen gesellschaftlich-politischen Kontext. Sei es nun die Schule, die Rollenbilder, Wissen oder auch soziale Spielregeln vermittelt, sowie auf der anderen Seite die Arbeitswelt, welche im idealsten aller Fälle sinnstiftend und befriedigend sein kann. Mit diesem Punkt, dem zutiefst politischen, hält Biddulph auch nicht hinter dem Berg: „Männer auf der Suche ist ein persönliches, aber auch auch ein politisches Buch.“ (S.9)

Den Abschluss des Textes bilden eine sehr gute Bibliografie, sowie ein detailiertes Register.

Fazit:

Ein Buch wie dieses zu bewerten, welches mein Leben nachhaltig verändert hat ist kein Leichtes. Zum einen ist man(n) versucht ins Schwärmen zu kommen, zum anderen weiß man(n) um den ausgesprochen schwierigen Weg, den zu gehen Biddulph auffordert.  Die Kurzfassung: Meine damalige Partnerin – mittlerweile meine Frau – legte mir das Buch ans Herz. Noch während der Lektüre nahm ich wieder Kontakt zu meinem leiblichen Vater auf, den ich über viele, viele Jahre nicht mehr gesprochen hatte. Mittlerweile konnten wir eine reife und sehr herzliche Beziehung aufbauen. Dabei wurde mir bewusst, was ich als Mann in all den Jahren seit meiner Kindheit als fehlend empfunden hatte, aber nie benennen konnte: die Abwesenheit einer Vaterfigur, die mir eine der vielen Varianten zeigen konnte, wie das Leben als Mann zu meistern sein könnte. Zwischen uns gab und gibt es viele Dinge auszusprechend, zu diskutieren, voneinander zu lernen. „Einer der wenigen unumstößlichen Grundsätze der Psychologie lautet, dass unerledigte Dinge erledigt werden müssen.“ (S.69)

Losgelöst von dieser sehr persönlichen „Erfolgs-„Geschichte des Textes erhält das Buch meine Empfehlung für jedermann und jederfrau, enthält es doch so ungemein viele Hinweise wie auch Partnerschaft gelingen kann, denn: „Jeder kann eine Partnerin finden – die Kunst besteht darin, sie auch zu behalten.“ (S.31)

Zum Buch:

„Männer auf der Suche“ von Steve Biddulph ist mit seinen 336 Seiten für ein Taschenbuch erstaunlich stabil verarbeitet, wartet mit einem solide verleimten Buchblock auf und kann auch in puncto Druckqualität überzeugen. So ist nicht nur der Textteil gestochen scharf, auch die vollseitigen Schwarz-Weiß-Bilder sind scharf und detailreich wiedergegeben. Der Bedruckstoff sowohl der Seiten, wie auch der Buchdeckel ist von angenehmer Haptik, fest und griffig.

Buchdaten:

  • Titel: „Männer auf der Suche“
  • Autor: Steve Biddulph
  • Übersetzer: Christian Quatmann, Eva Dempewolf
  • Umfang: 336 Seiten
  • Verlag: Heyne (09/2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-453-86903-6
  • Größe: 18,7 x 12,5 x 2,9 cm

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