„Jeder Atemzug und jeder Augenblick enthält Vergnügen.“ (S.90)
Zum Inhalt:
„Jenseits der großen Sümpfe“ von Erwin Moser entwirft ein beeindruckendes Porträt von Kindheit, Sommerrauschen und Schilfpfaden. Die Geschichte kondensiert das jugendliche Leben auf das Einfachste, was es gibt – Sommer, Hitze, Schulferien. Ein sentimentaler Klang, der den Leser*innen einnimmt, ihn förmlich das Rascheln des Schilfs fühlen, den warmen Boden unter den Füßen spüren lässt. Moser schafft es, mit wenigen Worten eine sinnliche Erinnerung zu wecken resp. zu kreieren.
Moser lässt uns die Abenteuer der Dorfjungen teilen, die eine geheime Hütte im Schilf bauen, nur um eines Tages Zeuge der infamen Zerstörung derselben durch die „Marktgassler“ zu werden. Doch statt aufzugeben keimt der Wunsch nach Vergeltung – und somit beginnen die wahren Abenteuer. Abenteuer des konspiratorischen Pläne-Schmiedens, des leisen Anschleichens, der mutigen Schlachten mit faulen Tomaten, Pferdeäpfeln und anderen nachhaltig eindrücklichen Geruchserlebnissen.
So simpel – in einem durchwegs positiven Sinne – die Geschichte sein mag, so tief berührt sie. Mit Ingredienzien wie Schule, Ferien, Eltern, Hausarbeit, Jungenfreundschaften, ebenso wie mit den ersten zaghaften Gedanken über das andere Geschlecht und das bittersüße Aufeinandertreffen jugendlicher Unbeschwertheit mit dem Regelwerk der Erwachsenenwelt, entspinnt sich eine Bühne, welche ebenso sehr eine Hommage an das Burgenland, wie auch eine wehmütige Reminiszenz einer vergehenden Simplizität darstellt.
Fazit:
Erwin Moser gilt nicht umsonst als einer der Meister fast zeitloser Jugendliteratur. „Jenseits der großen Sümpfe“ ist das Debütwerk des Autors, sein allererstes Buch, erschienen 1980 bei Beltz & Gelberg. Es erzählt von einem Feriensommer im Burgenland – genauer gesagt in seiner Heimatgemeinde Gols, jener sanften Landschaft, die für Moser jahrzehntelang Inspirationsquelle sein sollte. Die Menschen, die Kultur, die Landschaft prägten seinen Stil im Schreiben, in seinen wundervollen Zeichnungen, der Wahl und Ausgestaltung seiner klaren Charaktere.
Zum Buch:
Das Buch ist mit seinen 206 Seiten kein Wälzer. Die Buchdeckel ziert ein mehrfarbiges Bild aus der Feder des Autors, welches bereits ein wenig des Inhaltes erahnen lässt. Die Vignetten welche in den Text eingeflochten sind, kommen durch den sauberen Druck ebenso wie ihre Stellung jeweils am Kapitelbeginn ausgezeichnet zur Geltung. Sie untermalen – und dies nicht nur im übertragenen Sinne – die Geschichte. Der Bedruckstoff ist einfach, haptisch angenehm gestaltet und bis auf die Kapitelnummern gibt es keine typografischen Spielereien, welche den Lesefluss unterbrechen könnten. Ein in seiner Einfachheit rundum gelungenes Paperback aus dem Gulliver Verlag.
Buchdaten:
- Titel: „Jenseits der großen Sümpfe“
- Autor: Erwin Moser
- Umfang: 208 Seiten
- Verlag: Verlag; Auflage
- Sprache: Deutsch
- ISBN-13: 978-3-407-74471-5
- Größe: 18,7 x 12,5 x 1,3 cm